SELINA HANGARTNER

SUBITO – DAS SOFORTBILD (PETER VOLKART)

Gegen Ende von Peter Volkarts Film Subito – Das Sofortbild befindet man sich im «Supersense», einem Laden im zweiten Wiener Bezirk, der sich als Wunderkammer «analoger Delikatessen» versteht. In seinem Sortiment befindet sich das Polaroid, um dessen Geschichte es in Volkarts Film in diachroner Nacherzählung eigentlich geht: Von der ersten Präsentation 1947 in New York durch Erfinder Edwin Land bis hin zum hippen Nachleben nach der Schliessung der letzten Polaroid-Corp.-Fabriken 2008 wird das Foto-Format in seinen technischen und sozialen Dimensionen mit humoristischem Tonfall erfasst.
 
Der Film wird auch zur Wunderkammer «analoger Delikatessen», wenn er nicht nur aus dem Archiv gezogene Polaroids (manchmal von namhaften Künstlern) genüsslich inszeniert, sondern auch selbst im spielerischen «Vintage-Look» daherkommt; etwa auf nachinszenierte Szenen Korn und Bildstörungen rechnet, um an analoge Filmstreifen zu erinnern. Entlang von Expertenaussagen wird das Polaroid-Bild dank seiner Ungeschliffenheit und unvorhersehbaren chemischen Reaktionen (gerade im Kontrast zur digitalen Fotografie) voller Nostalgie betrachtet – Volkarts Film wirkt streckenweise geradezu wehmütig; die populäre Lust am Analogen ist evident. Auch spart Subito einiges an kontroverser Information aus, wie etwa das gescheiterte Format «Polavision», das die Firma in den 70er Jahren teuer zu stehen kam und Tüftler Edwin Land damals aus der Unternehmungsleitung drängte.
 
Subito präsentiert stattdessen kurioses Quellenmaterial: Ein Werbevideo aus den 50er Jahren, in dem für Verkaufspersonal Schritt für Schritt erklärt wird, wie und mit welchen Tricks eine Kamera verkauft werden soll, liefert amüsante Einblicke in eine durchs Wirtschaftswunder beflügelte Konsumkultur. Innovationen animierten auch schon immer die Imagination der Nutzer: Im Fall des Polaroid-Bildes, dessen Negativ nicht mehr durch einen externen Entwicklungsprozess gereicht werden musste und sofort verfügbar war, reichte die Bandbreite an neuen Funktionen damals vom polizeilichen Beweismaterial bis hinein ins private Pornografische. Dass hier erstmals Nutzungsmuster evoziert wurden, die wir gemeinhin mit der digitalen Fotografie, dem Smartphone und Internet in Verbindung bringen, demonstriert der Film eindrücklich.
 
Schlussendlich bleibt es Subitos Publikum überlassen, ob es den Stil dieser fröhlichen, ja märchenhaften Beschreibung des analogen Foto-Formats schätzt. Sehenswerte Dokumente aus der Geschichte der kulturellen Sofortbildfotografie stellt Volkarts Subito allemal bereit.
Selina Hangartner
Assistentin und Doktorandin
*1990, studierte Film-, Politik- und Publizistikwissenschaft. Als Assistentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin lehrt und arbeitet sie am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Derzeit schreibt sie eine Dissertation zum Thema Selbstinszenierungen des frü­hen Tonfilms.
(Stand: 2018)
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