THOMAS HUNZIKER

GERRY (GUS VAN SANT, USA 2002)

MOMENTAUFNAHME

Zwei Köpfe in der Wüste. Auf und ab im gleichen Takt. In einer langen Sequenz begleitet die Kamera in Grossaufnahme die vor einem unscharfen Hintergrund auf und ab wippenden Gesichter. Ihre Augen sind meist starr auf den Boden vor ihnen gerichtet. Auf der Tonspur sind nur die rhythmisch auf dem Sand knirschenden Schritte der Männer zu hören, dann und wann wieder das sanfte Rauschen des Windes – eine Sinfonie der Verlorenheit. Zwischendurch suchen sie mit den Augen den Horizont ab – mal kurz, mal länger. Dann dreht sich einer zurück. Doch auch dort findet er keine Rettung aus seiner Isolation. Nun wippen die Köpfe zeitlich verschoben auf und ab. Der Gegentakt macht sich auch auf der Tonspur bemerkbar. Das Rauschen des Windes wirkt noch unheilvoller. Der andere wischt sich mit einem blauen Kleidungsstück den Schweiss vom Gesicht. Ein kleiner Farbtupfer. Ist da ein Schmunzeln auf dem Gesicht? Schliesslich verschwinden die Köpfe aus dem Bild; die Umgebung bleibt verschwommen.

Thomas Hunziker
*1975, Studium der Filmwissenschaft, Anglistik und Geschichte an der Universität Zürich. Er betreibt das Filmtagebuch filmsprung.ch, arbeitet als freier Mitarbeiter für cineman.ch und befindet sich in der Ausbildung zum MTRA. Sein Heimkino befindet sich in Schaffhausen.
(Stand: 2017)
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