FLORIAN KELLER

PLEASANTVILLE (GARY ROSS, USA 1998)

MOMENTAUFNAHME

Gestoppt im freien Fall: die Trillerpfeife des Trainers. So beginnt der Sündenfall im Städtchen Pleasantville. Mit blankem Entsetzen im Blick eines Sportlehrers, der nicht weiss, wie ihm geschieht. Pleasantville ist der imaginäre Ort, wo das puritanische Amerika noch ganz bei sich ist, ohne Lust und ohne Zorn. Temperament gibt es keines hier, nur die totale Zufriedenheit in Schwarzweiss: «Honey, I’m home.» Und in der Turnhalle strahlen blöde die siegesgewissen Jungs. Denn jeder Ball, den die Pleasantville Lions werfen, trifft wie ferngesteuert den Korb. Jedenfalls: Bis jetzt war das so. Ein Wurf aus Wut und Eifersucht, und der Zauber ist gebrochen. Fassungslos blickt der Coach dem fehlbaren Ball nach, der da herrenlos durch die Halle rollt. Ein Phantom des Scheiterns, wo es doch gar kein Scheitern gibt in Pleasantville. «Don’t touch it», warnt der Trainer. Angesichts des Balls verliert er seine Pfeife. Es ist bald vorbei mit der inneren Sicherheit.

Florian Keller
geb. 1976, Studium der Anglistik und Germanistik in Zürich. Filmredaktor beim Tages-Anzeiger, Autor von Andy Kaufman: Wrestling with the American Dream (2005). Zuletzt erschienen: Die Künste im Gespräch. Zum Verhältnis von Kunst, Musik, Literatur und Film (2007), gemeinsam mit Corina Caduff, Sabine Gebhardt Fink und Steffen Schmidt.
(Stand: 2008)
[© cinemabuch – seit über 60 Jahren mit Beiträgen zum Schweizer Film  ]