DORIS SENN

DER SECHSTE KONTINENT (BENNO MAGGI)

SELECTION CINEMA

Zehn Menschen, die - ohne voneinander zu wissen - ihr Land getauscht haben (Angelpunkt ist die Schweiz), ihre Motivationen und Befindlichkeiten stehen im Mittelpunkt von Benno Maggis „sechstem Kontinent“. Impressionen aus dem Schul- beziehungsweise Kindergartenalltag eines Schweizer Mädchens in Bangkok und eines thailändischen Mädchens in Basel dienen als Rahmen für die eigentlichen Gespräche.

Ein komplexes Zusammenspiel von freiem Entschluß, Zufällen und zwingenden äußeren Beweggründen gibt den Hintergrund der — sehr persönlichen - Stellungnahmen der acht porträtierten Personen ab: des Schweizers, der als Opernhaus-Dirigent in Palermo lebt und des Süditalieners, der höherer Bankangestellter in Zürich ist; des Innerschweizer Missionars in Zimbabwe und der von dort stammenden, nun im Baselbiet lebenden Krankenschwester; der drei Frauen chilenischer Fußballstars in St. Gallen und der drei Alt Auswanderer des „Club Suiza“ in Chile sowie schließlich des Sechziger-Jahre-Aussteigers Karl Meier auf der Südseeinsel Tonga und des in der Schweiz ansässigen Tevita Matavalea, Tongaer, Arbeiter und Rugby-Spieler.

Sie alle rollen ein kleines Stück Lebensgeschichte auf, reflektieren den Zeitpunkt, wo Weichen gestellt wurden, Fernweh, Arbeitssuche oder eine Liebesbeziehung ihr Leben in die Bahnen gelenkt hat, in denen es sich nun bewegt. Unspektakuläre Aussagen von unspektakulären Lebensläufen, die hie und da entlarvend aufblitzen, sei es nun, wenn Fremde über die Schweiz oder Schweizer über das Gastland erzählen. Durchgehend die Sehnsucht der Fremden hier nach ihrem Herkunftsland (und die Absicht, irgendwann zurückzukehren) gegenüber dem fast ausnahmslosen „Aufgehen“, („absorbiert werden von einem Land, seiner Luft, Wärme, seinen Farben und Gerüchen“ beschreibt es der Dirigent in Palermo) der Schweizer in ihrer Wahlheimat.

Doris Senn
geb. 1957, Romanistin, arbeitet über Volksliteratur, lebt in Zürich.
(Stand: 2019)
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