MARTIN SCHAUB

HEP ! TAXI (BERTRAND THEUBET)

SELECTION CINEMA

Das Ziel des Quickfilm-Projekts — brauchbare Vor-Filme herzustellen nämlich — hat sich als gar nicht so bescheiden herausgestellt. Ein kleiner, billiger Spass reicht nicht aus, und gewisse Stoffe erweisen sich als zu gross für einen Fünf- minuten-Film. Bertrand Theubets präzis inszenierter und noch präziser montierter Witz ist das bislang beste Resultat einer ganzen Reihe von Versuchen. Geschickt betrügt Theubet die mit leichter Hand geweckten Erwartungen des Zuschauers, schlägt eine Reihe von Haken und bringt die kleine Anordnung von Figuren und Ereignissen zu einem Schluss, der nicht über sich hinaus weist.

Theubet ist in verschiedenen Funktionen seit 15 Jahren im Film tätig; seine Assistenzen bei Godard, Soutter, Klarer in den letzten drei Jahren haben zu einer Klärung der eigenen Absichten und Techniken geführt. Konzise Einstellungen; nichts, was nicht zur zu erzählenden Handlung gehörte. Nach ganz wenigen Einstellungen sind die beiden Akteure am Ort der Handlung, im Intérieur eines Taxis, eines falschen, wie sich herausstellt, und die Découpage im engen Raum ist von ausserordentlicher Varietät, die jedoch nicht Selbstzweck wird, sondern ganz simpel einfach die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die, kaum einem aufdringlichen Rollerfahrer entkommen, an einen ebenso aufdringlichen Taxifahrer (mit Hund) gerät und ihn auf überraschende Weise wieder loswird.

Hep! Taxi liesse sich in einem einzigen hypotaktischen Satz spannend und komisch erzählen.

Martin Schaub
*1937, gestorben 2003. Martin Schaub absolvierte an der Universität Zürich ein Germanistikstudium, das er mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Von 1963 bis 1968 war er Lokal- und Auslandsredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung. Von 1968 bis 1983 leitete er die Filmberichterstattung beim Tages-Anzeiger. Schaub gehörte zu den Gründern des Tages-Anzeiger-Magazins, für das er jahrelang Beiträge schrieb. Von 1974 bis 1986 Herausgeber des CINEMA.
(Stand: 2019)
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