MARTIN SCHAUB

DER RÄUBER (LUTZ LEONHARDT)

SELECTION CINEMA

Der vom Kuratorium Junger deutscher Film unterstützte erste lange Film des seit 1978 in Bern ansässigen Musikers und Rezitators Lutz Leonhardt ist — nicht nur mit seinem Titel — eine Huldigung an Robert Walser und sein Werk. Spaziergänger-Leichtigkeit und verbindliche Unverbindlichkeit waren offensichtlich angestrebt.

„Der Mensch will uferlos schauen“, sagt einer in dem Film einmal ganz unvermittelt. Der ironische Satz könnte von Walser stammen (und tut’s vielleicht sogar), und solche Sätze hat Leonhardt offenbar gesucht, nur solche, und das macht den Film etwas mühsam.

Doch fast mehr als der gar gesuchte Dialog verhindern die (Laien-)Darsteller das ungetrübte Vergnügen an einer sophistischen filmischen Schnurre (um eine entsprechend verjährte literarische Gattungsbezeichnung zu gebrauchen). Aengstlich fast lehnen sie sich an Michael Schacht, der den Helden mimt, der auf die Frage nach seinem Beruf „Räuber“ antwortet. Er raubt und raubt tagein, tagaus, um die 100.000 Franken für den Film zusammenzubekommen; er raubt also, um zu überleben. Eine ganz hübsche Idee, aber sie geht immer wieder unter im erzählerischen Unvermögen und in der Selbstgefälligkeit aller Beteiligten.

Martin Schaub
*1937, gestorben 2003. Martin Schaub absolvierte an der Universität Zürich ein Germanistikstudium, das er mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Von 1963 bis 1968 war er Lokal- und Auslandsredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung. Von 1968 bis 1983 leitete er die Filmberichterstattung beim Tages-Anzeiger. Schaub gehörte zu den Gründern des Tages-Anzeiger-Magazins, für das er jahrelang Beiträge schrieb. Von 1974 bis 1986 Herausgeber des CINEMA.
(Stand: 2019)
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