MARTIN SCHAUB

FETISH & DREAMS (STEFF GRUBER)

SELECTION CINEMA

Eine Art „Familienfilm“: der „Rocker“ Jimy Hofer, seine Freunde und seine Geschäfte, seine Musik. Ohne eigentliche Entwicklung oder gar Zuspitzung reiht Arthur Freuler in seinem ersten Film Szene an Szene. Es ist sorgfältig, fast ängstlich gefilmt, der Ton nicht sehr reich, aber gepflegt. Ein anderer Zweck als das Porträtieren einer stadtbekannten Persönlichkeit scheint nicht angestrebt gewesen zu sein. Vielleicht mag dem Filmemacher dieser noch junge, aber als „Rocker“ schon etwas ältliche Mann gar als ein Original und „Vorbild“ (für Unabhängigkeit und gelassene Freiheit) vorgekommen sein. Polemische Absichten kann man ihm jedenfalls nicht unterschieben; dazu lässt er zuviel aus.

Und doch kann es (muss nicht) zu einer Art Distanzierung kommen: Zu gut hat Jimy Hofer die Lehre vom freien Unternehmertum gelernt. Er lebt es vor in einer „Szene“, die sich nur äusserlich von der sogenannt bürgerlichen unterscheidet. He is the boss, ein sanfter, ein bisschen wurstiger, lässiger. Aber ein Boss, und er hält es mit den Bossen.

Er verrat sich — auch wenn von Freunden und Frauen die Rede ist — auf Schritt und Tritt. Vielleicht muss ein Filmemacher gar nicht Farbe bekennen. Doch manchmal wär’s vonnutzen. Um Missverständnissen vorzubeugen. Freundliche Objektivität ist manchmal zu naiv, um wahr zu sein.

Martin Schaub
*1937, gestorben 2003. Martin Schaub absolvierte an der Universität Zürich ein Germanistikstudium, das er mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Von 1963 bis 1968 war er Lokal- und Auslandsredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung. Von 1968 bis 1983 leitete er die Filmberichterstattung beim Tages-Anzeiger. Schaub gehörte zu den Gründern des Tages-Anzeiger-Magazins, für das er jahrelang Beiträge schrieb. Von 1974 bis 1986 Herausgeber des CINEMA.
(Stand: 2019)
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