WALTER KELLER / CORINNE SCHELBERT

JUBELOC — VORGESCHICHTE

ESSAY

Durch eine Indiskretion aus dem Fernsehstudio Leutschenbach erhielt der Block- Anzeiger Kenntnis von einem nur für den internen Gebrauch bestimmten Treatment für eine neue, grosse Familienfolge. Die Fernsehserie wurde auf Anregung von SRG-Generaldirektor Schürmann ausgearbeitet, der sich wiederholt über banale amerikanische TV-Dutzendware beklagt hatte und die Forderung nach einer populären, aus dem europäischen, sprich schweizerischen, Geist entstandenen TV- Serie stellte, als Gegengewicht zum Dallas/Denver-Salat. Der Projektentwurf, wie ihn der Block-Anzeiger — genüsslich, versteht sich — veröffentlichte, lässt die geplante Geschichte bereits im Detail aufscheinen, an welcher die ganze TV-Autorenelite sowie Ressortleiter mitgearbeitet haben sollen, um so einen breiten Konsens aller Abteilungen zu erzielen.

Hier zunächst der Wortlaut des Artikels im Block-Anzeiger vom 16.5.85: „Flop, Flop und nochmals Flop! Wie dem Block-Anzeiger gestern bekannt wurde, planen die TV-Nieten aus Leutschenbach eine neue, sogenannt echt schweizerische Familienserie. Fragt sich nur, was das heisst — Motel auf höherer Ebene oder ein Dynastieschinken mit etwas Lokalcolorit? Oder meinen die Herren (und Damen!) aus dem Glotzofonbunker im Ernst, dieses Einschlafmittel sei das, was wir Schweizer wollen?

Und das sind die aufrechten Schweizer, die in der heissen JUBELOC-Serie vorkommen: Hannes Zimmermann ist glückloser Architekt und neidisch auf seinen jüngeren Bruder Jacques, dem vom Vater der beiden die Leitung der Kosmetikfirma JUBELOC übertragen worden war. Jacques ist ein lebenslustiger Junggeselle, der Hannes’ Gattin Dagmar ziemlich betulich und bieder findet und sich lieber an seine Freundin Adelheid hält, deren Heiratswünsche ihm zwar auch auf die Nerven gehen, aber wenigstens hat sie noch Pfiff und kümmert sich um ihre Karriere, während Dagmar in Frauenclubs und Drittweltzirkeln ausgiebig und lautstark Betroffenheit markiert.

Die beiden Brüder haben auch eine Schwester, Sybille, die schon vor langer Zeit aus dem elterlichen Sursee — Ort der Handlung von JUBELOC — nach Zürich emigrierte, wo sie als vom Surseer Bauunternehmner Marthaler Geschiedene ein lockeres Leben führt und (wie originell diese TV-ler sind!) in Zuhälterkreisen verkehrt und einen nicht ganz lupenreinen Zentralafrikaner zum Lebensgefährten hat. Den beiden Brüdern haben die glücklosen Familienserieplaner auch noch je einen Hilfs-Carrington zur Seite gestellt: Hans Bamert ist Lehrer und stachelt seinen Freund Hannes im Disput um die Firma und das übrige Erbe immer wieder an; Fritz Scheffelheimer, ein in den frühen fünfziger Jahren eingewanderter Deutscher (mittlerweile hat er die CH-Bürgerschaft erworben) steht hinter Jacques Zimmermann und verteidigt dessen legitimen Anspruch auf die Firmenleitung. Selbstredend kommen auch die für unsere Fernsehgewaltigen offenbar unvermeidlichen Problem-Jugendlichen zum Zug: Peter Zimmermann, kurz Pedro, ist einer der beiden Söhne von Hannes und Dagmar und treibt sich mit seiner dänischen Freundin Kirsten, ihres Zeichens Aupair-Mädchen bei einem schmierigen Füdlibürger, gar versuchsweise in Heroinkreisen herum. Mehr Freude wird der TV-Normalverbraucher am jüngeren Sohn Martin haben, der zielstrebig und fleissig ist, eine nette, aufgestellte Freundin — Sylvie — hat und in der ersten Folge bereits glücklicher Gewinner einer Reise nach Guadeloupe ist, und dies ausgerechnet aus den Händen von SRG-Konkurrent Schwainsky!

Die erste Folge von JUBELOC, die der Redaktion gestern zugespielt wurde, beginnt folgendermassen: Sybille wird das Pflaster in Zürich allmählich zu heiss (Aussersihler Saubermänner wollen dem Sexgewerbe an den Kragen), sie spielt mit dem Gedanken, ihr dortiges lukratives Appartementhaus, in dessen Erdgeschoß sie eine Bar betreibt, aufzugeben und sich nach Sursee zurückzuziehen, wo sie auf dem geerbten, gemeinsamen Grundstück ein Haus zu bauen gedenkt. Was wiederum den Biedermann Hannes in helle Aufregung versetzt, wohingegen der weltoffenere Jacques ihre Pläne mit Amüsement zur Kenntnis nimmt. Es kommt zu einer dramatischen Unterredung im Familenkreis, die sich zu einem Riesenkrach entwickelt. Dagmar und Hannes befürchten, Sybille wolle im heilen, ländlichen Sursee ein Etablissement eröffnen, Jacques schlägt sich auf die Seite seiner Schwester, die beteuert, sie wolle allenfalls nur eine ganz stinknormale Beiz für die Surseer und vor allem im Heimatdorf zur Ruhe kommen. Auch die Kinder schalten sich in den Disput ein, und der Familienskandal ist perfekt, als Sohn Pedro völlig „high“ (von Haschisch berauscht) mitten in die Szene platzt mit der schnodrigen Frage ‚Na, Tante Sibylle, läuft alles rund in deiner Zupfstube?“. Und die Aufregung steigert sich zum Siedepunkt, als Scheffelheimer hinzukommt mit der Nachricht, eben habe er einen hünenhaften Schwarzen im Jaguar um den Bahnhofsplatz kurven gesehen...

Liebe Leser, was meinen Sie zu diesem neusten TV-Streich? Schreiben Sie uns Ihre Meinung bitte an: Block-Anzeiger, Kennwort TV-Flop, Postfach, 8086 Zürich.“

Da die Bombe nun mal geplatzt war, beschloss die SRG-Leitung, gute Miene zum indiskreten Spiel zu machen und interessierten Kreisen die Möglichkeit zur Stellungnahme zur JUBELOC-Serie zu geben. So wurde in einer uncharakteristischen Offensive das 10 Seiten starke Treatment an die verschiedensten Organisationen und Interessengruppen verschickt, wohl auch mit dem Hintergedanken, via öffentliche Meinung ohne viel Umfrage-Aufwand in Kompromiss- und Konsensgeleise einzuschwenken. Die Stellungnahmen liessen, wie nach dem schadenfrohen Rummel um die Block-Anzeiger Veröffentlichung kaum anders zu erwarten war, nicht lange auf sich warten. Eine Flut von Briefen — darunter auch unaufgeforderte — ging bei der SRG-Redaktion ein, in deren Besitz wir unsererseits gelangt sind und aus der wir nunmehr eine Auswahl abdrucken. Wir danken dem solidarischen Dokumentaristen vom Fernsehen, der uns Einblick ins Material erlaubte. Wir publizieren diese Dokumente nicht in der Absicht, noch mehr zu dem von einem Medienkonzern aus ganz eigennützigen Gründen veranstalteten Skandal beizutragen, sondern in der Hoffnung, mehr Transparenz in die Produktionsbedingungen und - Verhinderungen unserer TV-Kollegen (die sie ja trotz allem sind) zu bringen.

HoPCH

Homosexuelle Projektgruppe Schweiz

18245 Betroffikon

An die Abteilung

Dramatische Familie

Fernsehen DRS

8052 Zürich

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir haben uns an unserem letzten Intensiv-Wochenende lange über Ihr Expose zur neu geplanten JUBELOC-Serie unterhalten.

Wir möchten Ihnen mit diesem Brief unsere Bestürzung und Empörung mitteilen. Nachdem in der letzten Serie des Schweizer Fernsehens, Motel, endlich einmal ein Schritt in Richtung Integration von uns Schwulen unternommen wurde und ins Personal auch ein Schwuler aufgenommen worden war, schliessen Sie sich offenbar den repressiv-restaurativen Tendenzen der Wende an — oder haben Ihre Autoren ganz einfach vergessen, wieviele Zehntausende von Männern auch in unserem Lande Beziehungen zum gleichen Geschlecht pflegen?!

Wir fordern das Deutschschweizer Fernsehen auf, die JUBELOC-Serie so zu ändern, dass in den einzelnen Folgen auch die Homosexualität den ihr gebührenden Platz* erhält. Gerne sind wir auch zu einem Gespräch bereit, um unsere Ideen, an denen wir am besagten Wochenende schon gearbeitet haben, einzubringen, bevor es zu spät ist. Auch das Fernsehen muss sich langsam daran gewöhnen, dass es in der Schweiz Minderheiten gibt, Menschen, die halt anders leben als Olga und Otto Normalverbraucher.

In der Erwartung, von Ihnen zu hören,

grüssen wir freundlich

Homosexuelle Projektgruppe Schweiz

• Sicher erinnern Sie sich an Steven Carrington aus dem Denver-Clan. Sie sehen, selbst die Amerikaner können’s...

Drogengruppe „Gassigaa“

Am Egge 33

80589 Platzspritzigen

Fernsehen DRS

Abteilung Dramaturgie

Postfach

8052 Zürich

Liebe Autorinnen,

Wir wurden zwar nicht direkt von der SRG angeschrieben, doch meinen wir, dass wir als Gassenarbeiter bei dieser Serie nicht übergangen werden können, kommen doch Drogenprobleme zur Sprache, die in Zürich gegenwärtig akut sind und zu denen wir trotz Obstruktion seitens der Behörden mit wenig Stutz und viel Engagement Abhilfe zu schaffen versuchen. (Unsere Probleme bei dieser Arbeit müssten wir Ihnen mal schildern!)

Wir können natürlich nicht in den kreativen Prozess eingreifen und müssen der Fiktion Raum lassen, doch ein paar Details müsstet ihr unbedingt abklären: Das sog. „Anfixen“ geschieht ziemlich anders (und einiges brutaler) als es in „JUBELOC“ geschildert wird, eine mittlere Portion Heroin heisst nicht, wie ihr schreibt, ein „Cento-Kuvert“, sondern „Lappebriefli“ und enthält nicht 0.0778 sondern auf dem gegenwärtigen Markt 0.0443 Gramm Stoff, wenn es hoch kommt, und der ist höchstens 9 Prozent rein und nicht vierzig Prozent, wie Ihr schreibt. Und stirbt einer an einer Ueberdosis, (wie es ein Freund Pedros tut und was wir bei der geschilderten Situation etwas überrissen finden), dann macht er nicht „die Schraube“ sondern schlicht „ex und hopp“. Solche Details sind wichtig, wenn euch an Glaubwürdigkeit liegt.

Wir enthalten uns jetzt der prinzipiellen Einwände, weil wir meinen, dass es bei allen Verzerrungen wichtig ist, dieses Problem und die mangelnde (Re-)Sozialisation bei den Jugendlichen zur Sprache zu bringen.

Jacques Mast, Gassenarbeiter

Vereinigung der

Wirte Deutschschweiz

Blöterlistr. 16

82567 Serwil

Schweizerisches Fernsehen DRS/SRG

Fernsehstr. 1-4

8052 Zürich

Sehr geehrte Herren,

Wir bestätigen den Erhalt Ihres Treatments zur Serie JUBELOC, die Sie für 1986 vorgesehen haben.

Nachdem wir bereits im Zusammenhang mit verzerrenden, unwahren und teilweise skandalösen Darstellungen der Schweizer Gastronomie in der Serie „Motel“ Kontakt mit Ihnen hatten, sehen wir uns nun gezwungen, Ihr Treatment an unsere Rechtsberatung weiterzugeben. Sie wird die Frage überprüfen, inwiefern vor allem jene Szenen, die den Barbetrieb der Sybille Odermatt in ihrer Zürcher Bar zeigen, grob konzessionsverletzend und ehrenrührig für das gesamte Deutschschweizer Gastgewerbe sind.

Wir werden demnach zu Ihrem Treatment zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich Stellung nehmen. Im Bedauern, Ihnen keinen besseren Bericht geben zu können, verbleiben läuft’s in Deiner Zupfstube“... ehrlich, sauber, wir

hochachtungsvoll

Wirte Deutschschweiz

Hans Springheimer

GFJS

Gruppe Freie Journalisten Schweiz Fidu Boner

Tastenstr. 17

80234 Textenberg

TV DRS

Rolf Gonzer

Postfach

8052 Zürich

Lieber Röfe,

Erst jetzt komme ich dazu, Dir eine Reaktion auf JUBELOC zu geben, aber ich war die letzten zwei Wochen für eine Story über Computer und Macht unterwegs (kannst Dich wahrscheinlich erinnern, wir unterhielten uns ja letzthin beim Essen im Coopi darüber).

Also, ich find’s echt eine gute Sache, hoffentlich kommt ihr durch mit der Story, lasst sie euch ja nicht verwässern. Vor allem, wie Pedro reinkommt und seine Tante fragt: „So, läuft’s in Deiner Zupfstube“ ... ehrlich, sauber. Ich hab ja schon länger durchs Busch-Telefon gehört, dass ihr an was seid. Als ich dann vernahm, dass Renate und Dölf mitschreiben, war ich zuerst ja etwas skeptisch. Aber jetzt, wo ich das Treatment lese, freu ich mich richtig auf JUBELOC. Endlich mal eine Sache, die die Unternehmer-Schweiz von innen zeigt. Bravo!

Lieber Röfe, ich schreibe diesen Brief zwar auf SJU-Papier, aber nimm ihn als persönlich, unsere offizielle Stellungsnahme schicken wir Dir nach unserer Vierteljahressitzung (Betriebsgruppe West wird auch kommen!), die in zwei Wochen stattfindet, doch hab ich schon mit ein paar Leuten von uns geredet, die finden die Sache auch gut. Und wenn Du für neue Folgen mal Autoren brauchst — Du weisst hätte da noch ein paar Ideen, die ich mir von meinem letzten Projekt („Die heimliche Macht der Schweiz“) aufgespart habe, weil ich sie nicht im Buch verwursten wollte.

Bis dann, bleib standhaft!

Dein Fidu

P.S.: Am nächsten Samstag ist die Party von Theres. Kommst Du auch, würd mich freuen! Nimm doch Gabi mit...

Zentraloekumenischer Verband der Landeskirchen

Sektion Zentrale Landesstelle

64445 Kittwil

Schweizer Fernsehen DRS

Abt. Religion, Kultur & Sonstiges

Hrn. Pfr. J. Ober

Fernsehstr. 1-4

Postfach

CH-8052 Zürich

Sehr geehrte Damen und Herren!

Lieber Kollege!

Mit grossem Interesse haben wir das Exposé JUBELOC zur Kenntnis genommen, für dessen Zusendung wir an dieser Stelle nochmals herzlich danken wollen. Die gesamte Anlage der Serie entspricht durchaus heutiger Wirklichkeit, und die Kirche weiss, dass diese einheimische Realität in ihren Schattenseiten schwere Not bereitet. Viele Menschen sind in dieser heutigen Zeit besorgt um das Gesunde in uns, sie fragen sich: wie soll dies nur alles weitergehen, all diese Drogenprobleme, all diese Abartigkeiten auf sexuellem Gebiet — wo führt uns dies alles hin?

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, erlauben Sie uns bitte eine Kritik, vielmehr eine Anregung zu Ihrem Exposé: Sie zeigen die obengenannten Probleme zum Teil in aller Ausführlichkeit, sie führen Sie unseren Landsleuten, die abends von des Tages Werk müde nach Hause kommen, auf dem TV-Schirm noch einmal vor. Wäre es nun nicht möglich, Figuren in der Serie auftreten zu lassen, die nach Lösungen suchen, die sich intensiv mit Gottes Wort beschäftigen und überzeugt sind, dass in der heiligen Schrift die wesentlichsten Antworten auf die Probleme der Gegenwart enthalten sind? Wir verweisen in diesem Zusammenhang immer gerne auf das Wiedererstarken des Christlichen, wie dies zum Beispiel am Kirchentag in unserem Nachbarland Bundesrepublik Deutschland kürzlich zum Ausdruck kam. Viele wenden sich nach den genussorientierten letzten Jahren wieder tieferen Werten zu, Werte, die allzu lange in Vergessenheit geraten waren.

Gerne würden wir uns mit Ihrem Autoren-Kollegium treffen, damit wir ausführlich über diese Probleme sprechen können. Als Ort der Begegnung und dieser kleinen Klausur zum Zwecke intensiven Nachdenkens schlagen wir Ihnen unsere Kultur- und Begegnungsstätte hier in Kittwil vor. Daselbst ergäbe sich auch die Möglichkeit der Verpflegung und Uebernachtung.

Wir würden uns sehr freuen, bald von Ihnen zu hören, und wir verbleiben mit herzlichem Dank für Ihr Interesse an unserer Stellungnahme und in der Hoffnung, dass besagtes Treffen im Geiste des Gesprächs zustandekomme

mit freundlichen Grüssen

Kaplan Florian

Felix Muster

Obere Kurve

Mobilwil

Herrn

Leo Schürmann

Fernsehen

8000 Zürich

Sehr geehrter Herr Schürmann,

Mein Freund Erich, der auch beim Fernsehen arbeitet, hat mir die Geschichte von den Zimmermanns und der Firma JUBELOC zum Lesen gegeben.

Meine Freundin und ich unternehmen mit unserem Alfa regelmässig lange Fahrten, und auch sonst mögen wir italienische Autos sehr gut. Ich selber arbeite in einer Garage in Mobilwil (doch gehe ich mit dem Velo zur Arbeit).

Meine Freundin Isabelle und ich sind enttäuscht, dass auch in der neuen Serie am Schweizer Fernsehen wieder nur deutsche Autos wie VW, Porsche, Mercedes und Audi gefahren werden sollen. Wäre es nicht eine glatte Idee, wenigstens der Sybille einen — vielleicht roten? — 2,5 Liter V6 Alfa zu geben? Ich kann Sie versichern, dass sich das Auto am Bildschirm sehr gut macht. Wir haben das mit unserem Video schon ausprobiert, und sicher würde Ihnen die Firma Alfa ein Exemplar gratis zur Verfügung stellen. Anbei sende ich Ihnen ein Bild des Autos, das ich meine.

Mit schnittigen Grüssen

Stets

Felix Muster

Ornithologischer Verein

Sektion Innerschweiz

67894 Pfeiffenwil

Schweizer Fernsehen Abt. Natur und Kultur Fernsehstr. 1-4

8052 Zürich

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Naturfreunde beim TV DRS,

Mit sehr viel Interesse haben wir ihre Geschichte zum Thema JUBELOC gelesen. Etwas haben wir allerdings vermisst.

Wie Sie sicher wissen, befindet sich in unmittelbarer Nähe des geplanten Ortes der Geschehnisse die Vogelwarte Sempach, und es scheint uns gegeben, Ihnen höflich die folgende Anregung mitzuteilen:

Könnten Sie nicht dort, wo es um die Besichtigung des Landstückes geht, auf dem die Geschwister Zimmermann vielleicht bauen wollen, einen kleinen Spaziergang einbauen. Im Laufe desselben könnten die Zimmermanns doch durchaus an der Vogelwarte vorbeikommen, die ja, wie Sie wissen, nationale Bedeutung für uns Schweizer hat und aus dem Grunde auch unbedingt in eine Serie des nationalen Fernsehens gehört.

Wir wollen uns in diesem Schreiben kurz fassen, gerne aber werden meine Kameraden von der Sektion Film und Foto Ihren Kameraleuten bei einer Begehung einige Tips geben.

Mit bestem Dank für Ihr Interesse und Ihr, wir hoffen es, offenes Ohr für unsere Anregung.

Franz Hecht

Verein „Pro Rumantsch“

Plaza da Silva

75384 Salmunin

Schweizer Fernsehen

Abteilung JUBELOC

8052 Zürich

Sehr geehrte Herren und Damen,

Wir haben Ihr JUBELOC-Projekt zur Kenntnis genommen und nehmen die Einladung zur Stellungnahme gerne an.

Wir bedauern natürlich die Wahl von Sursee als Handlungsort, hätten wir doch in unserem schönen Salmuninerland herrliche Schauplätze zu bieten gehabt und auch die nötige Infrastruktur, Staudämme, Kraftwerke, Seilbahnen hätten den modernen Aspekten unserer Gesellschaft den nötigen Akzent gesetzt; Dramatik und Fortschritt wären eine sehr interessante Verbindung eingegangen, unser Land hätte in seiner verwurzelten Tradition und gleichzeitig seinem Schritthalten mit der Entwicklung in unserer Region aufs Beste reflektiert werden können.

Aber da wir sowieso immer vierten machen und uns in den Medien nur portionsweise zu Wort melden dürfen, hier unser Vorschlag um Ausgleich: Statt nach Guadeloupe gewinnt der Zimmermann-Sohn Martin eine Reise nach Ftanür, das unterhalb einer herrlichen Alp gelegen ist, zu der jetzt eine breite Asphaltstrasse führt, so dass sie auch mit Filmausrüstung zugänglich ist. Oben gibt es herrliche Weiden und Vieh, aber damit die Idylle in die Moderne gestellt ist, könnte die Kamera auch den auf der anderen Seite befindlichen Stausee des Val Puntrult erfassen. Die meisten Wanderwege sind übrigens betoniert, so dass die SRG-Equipe keine Schwierigkeiten haben sollte.

Wir sehen mit Interesse Ihrer Stellungnahme entgegen.

Reto Pedrutti

Pro Rumantsch

Frauengruppe IN-CH

c/o Vreni Angaschér Hölzli 357

68892 Sursee

Frau

Heidi Ebel

Schweizer Fernsehen

Postfach

8052 Zürich

Liebe Heidi Ebel,

Wir alle erinnern uns gerne an den interessanten Vortrag, den Sie im letzten Februar hierbei uns zum Thema: „Als Frau im Medium“ hielten. Wir gelangen heute mit einer Bitte an Sie, die gerade damit — mit den Frauen in den Medien — zu tun hat. Uns wurde nämlich das Exposé zur Familienserie JUBELOC geschickt, mit der Bitte um Stellungnahme. Vielleicht kennen Sie es auch schon. Jedenfalls ist dort eine der Hauptdarstellerinnen, Sybille Odermatt, mit den Worten beschrieben: „Sybille Odermatt, geb. Zimmermann, von Bauunternehmer Odermatt seit drei Jahren geschieden, Schwester von Hannes und Jacques, ihr Sohn François lebt im Internat in Flims, sie hat bei der Scheidung nicht wenig Geld erhalten, lebt in Zürich, hat dort ein Haus im Kreis 4 (sic!), betreibt im Parterre eine Bar, vermietet ihre Einzelappartements teuer und kurzfristig, taucht wegen ihrer luschen Verbindungen öfters in der Klatschspalte auf, ist mit einem Zentralafrikaner befreundet und in einen Zuhälterprozess verwickelt.“

Wir wollen es mit diesem Zitat aus dem Treatment gut sein lassen. Wir Frauen von der Frauengruppe Sursee sind tief enttäuscht. Sind Sie nicht auch der Ansicht, dass eine solche Figur nichts als Vorurteile verstärkt? Wir wollen keiner Frau vorschreiben, wie sie leben soll, nein, und trotzdem befürchten wir eine ganz und gar Darstellung von uns Innerschweizer Frauen. Wir finden auch die erste Szene, in der Sybille Odermatt wieder nach Sursee zurückwill, um dort ihre frauenfeindlichen Aktivitäten weiterzuführen, nichts als geschmacklos.

Liebe Heidi Ebel, bitte glauben Sie uns: wir sind keine Moraltanten, aber die Rolle der Sybille Odermatt strotzt doch vor biederer männlicher Fantasie, für die das Frauliche immer erst interssant wird, wenn Sex ins Spiel kommt.

Wir wenden uns deshalb an Sie mit den folgenden Fragen, die Sie als geübte Journalistin und Fernseh-Mitarbeiterin sicher viel besser beantworten können, als wir:

Haben wir eine Möglichkeit, auf die Darstellung der Frauen in der JUBELOC- Serie einen Einfluss auszuüben (wir möchten nochmals betonen: es geht uns nicht um Zensur, sondern ums Gespräch)?

Wie müssten wir vorgehen?

Gäbe es eine Möglichkeit eines Treffens zwischen Ihnen und uns (Sie könnten natürlich den Ort und die Zeit bestimmen)?

In der festen Hoffnung, dass Sie wie wir der Meinung sind, die Darstellung der Rolle Frau in den Medien dürfe nicht länger so einseitig ausfallen, hoffen wir auf eine baldige Antwort.

Mit geschlechtssolidarischen Grüssen

Ihre Frauengruppe Sursee

Vreni Angascher

Filmgruppe „Cinefemme“

Stefansgasse 8

6400 Solenbüren

SRG Generaldirektion

Abt. Realisatoren

8052 Zürich

Sehr geehrte Realisatorinnen,

Wir haben Kenntnis erhalten vom Projekt JUBELOC und möchten uns zu folgenden Punkten äussern:

Das Filmschaffen in der Schweiz befindet sich in einer notorischen Krise — wir Filmerinnen/Technikerinnen werden übergangen, müssen uns gegen patriarchalische Strukturen durchsetzen und werden im harten Kampf um die wenigen Aufträge und Bundessubventionen von Kollegen weggedrängt. Es sei denn, wir gehen eine Zweckheirat ein und lassen uns auf Alibifunktionen ein.

Unser Anliegen sind Frauen als Filmschaffende und Frauen im Film. Wenn man uns schon keine Filme machen lässt und unsere Kreativität beim Fernsehen permanent zu unterbinden versucht, meinen wir, hätten wir wenigstens im vorliegenden Fall bei der Ausarbeitung der diversen Frauenrollen ein gewichtiges Wort mitzureden. Da heisst es etwa von Dagmar, dass sie sich intensiv mit Psychologie beschäftigt und in einer Frauengruppe war, die „von Selbsterfahrung zur Diskussion der Mutterproblematik bis zu einer Dritteweltgruppe avancierte“ — wir meinen, da könnten wir einen kreativen Beitrag leisten, denn eine solche Figur muss doch nicht nur dramaturgisch, sondern auch filmisch ausgearbeitet werden.

Anbei ein paar „Entwicklungsvorschläge“ zur Person von Dagmar inkl. einer lückenlosen Biographie, damit diese Frau zu einer kohärenten, in sich geschlossenen und relevanten Figur wird.

Mit freundlichen Grüssen

Christine Boisrond

Cinéfemme

Netzwerk

Raum Frankfurt

Am Flughafen 25

D-6000 Frankfurt/M.

An die Kollegen

Autorinnen des Schweizer TV

CH-8052 Zürich

Liebe Kollegen,

Ein befreundeter Journalist aus der Schweiz, der lieber ungenannt bleiben will, hat uns das Treatment zu eurer neuen Serie JUBELOC geschickt und uns besonders auf die Szene verwiesen, wo es heisst:

„Pedros Freundin Kirsten hat Besuch von Frankfurt, wo sie ein halbes Jahr lebte. Ziemlich straighte Typen, schon um die dreissig, lange Haare, einerseits auf dem ANTI-AKW-Trip und andererseits wahnsinnig schlaff und lethargisch. Kirsten versteht sich — non-verbal, klar — prima mit ihnen.“

Also, mal ehrlich: So geht’s nicht, Freunde! Wan ihr eigentlich in den letzten Jahren mal in Frankfurt? Sicher gab’s nach 68 mal eine schlaffe und vor ein paar Jahren auch eine No-Future-Zeit. Inzwischen hat das alles aber ziemlich gewechselt, ’ne Unmege von Leuten ist den Grünen beigetreten oder hat eigene kleine Läden eröffnet (Stichwort Schattenwirtschaft, ihr versteht). Von „schlaff“ also kein Schimmer mehr, im Gegenteil, hier bei uns engagieren sich mehr und mehr Leute für konkrete Sachen, mehr Oekologisches halt als früher.

Liebe Leute, kommt doch mal her und besucht uns, wir werden — wenn wir auch eure Spesen nicht übernehmen können — euch Frankfurt gerne mal zeigen.

Meldet euch am besten über obenstehende Rufnr., immer so ab 12 Uhr morgens, oder schreibt uns halt nen Brief.

Wir würden uns freuen, von euch zu hören! Netzwerk Frankfurt

gez. Wolfgang

P.S. Wir haben gehört, die Leute vom Knasterstrand hätten euch auch geschrieben. Stimmt das, wenn ja, schickt ihr uns ne Kopie (wir können’s nicht mehr so gut mit denen)? Danke.

P.P.S.’ Anbei noch ein paar Kleber von unserer Aktion KEINE STARTBAHN WEST. Vielleicht findet sich in eurem Studio ne Ecke dafür.

Knasterstrand

Linke Szene mbH

Albrecht-Dürer-Platz

D-6 Frankfurt

SRG, Abt. Dramaturgie

Stichwort „CH-Dallas“ Postfach

8052 Zürich

Hallo ihr Kreativen!

Das war vielleicht ein Knüller, was uns ein paar Frankfurter Kollegen zukommen liessen — eine echte Schweizer Soap-Folge, bei der sogar noch Grenz-Nachbarliches einfliesst! Da werden die Schlaffis und Pappis vom WDR staunen, ganz zu schweigen vom ZDF, das ja noch nicht einmal gecheckt hat, dass Birne Kohl und das ganze miese BKA sich geradezu anbietet für ne dufte RAF-Familienfolge mit viel Blut und Trennglas dazwischen.

Doch im Ernst: Wenn ihr schon ein paar Frankfurter Spontis herzubemühen meint, geht es dann nicht ohne diese müden Vorurteile? In Frankfurt ist nämlich ne Menge los, viele habens echt gecheckt, die scene ist heterogen und wir vom „Knasterstrand“ erleben tagtäglich, wie der antimperialistische Kampf an Power gewinnt. Klar hängen da noch ein paar Paffer und Fixer rum (ihr habt ja scheints auch eine hübsche kleine Drogenszene mit massiver Repression, liess ich mir sagen), in welcher Metropole denn nicht? Doch wem nützt dieser Scheiss? Im Moment planen wir gerade ein paar heisse Startbahn-Aktionen und wenn ihr somit ein paar aktive Frankfurter, im Häuser- oder Startbahn-Kampf an der Front befindliche Typen einplanen könntet, dann wärt ihr mit eurer tollen Serie wirklich hautnah am Ball und wir würden auch ein paar Dialoge oder Denkanstösse anliefern.

Der Rote Davie lässt euch übrigens grüssen — liebt die kleine nette Schweiz, kennt ein paar hübsche Verstecke von früher her (Manterre-Genf, ihr versteht). Und denkt daran, Leute: KEINE STARTBAHN WEST.

Euer

Theo Albrecht,

Redaktor

Gruppe „Sexfreies Arbeiterquartier“

Long Street

80040 Suricum

SRG Fernsehen

Familienserie

Postfach

8052 Zürich

Sehr geehrte Herren und Damen,

Wir haben ziemlich gestaunt über das SRG-Projekt und die Art, wie unser Bemühen um ein sauberes Aussersihl ignoriert wurde mit spekulativen Versatzstücken aus dem Milieu. Soweit wir in Erfahrung bringen konnten — und wir müssen es ja wissen —, sind bis jetzt noch keine weiblichen Personen als Eigentümerinnen von ans Sexgewerbe vermieteten Apartementhäusern involviert, allenfalls müssen sie für die Sexmafia den Namen herhalten, doch ihre „Puffmutter“ Sibylle scheint uns etwas plüschig im Vergleich zur harten Realität.

PPZ (Progressive Partei Zürich) Gemeinderat Ernst Mathys hat, wie Sie wahrscheinlich wissen, gerade eine Motion eingereicht, damit den letzten Sexprofiteuren mit Namenveröffentlichung der Garaus gemacht werden kann, und die ist im Moment hängig. Wir sind in unseren Anstrengungen ein gutes Stück weiter gekommen und fürchten, dass dem Laissez-faire seitens der Behörden mit solch oberflächlicher Milieuschilderung am Bildschirm nicht gedient ist. Der Bürger soll nicht mit hängender Zunge vor dem Monitor sitzen und sich ein Lotterleben zu Gemüte führen, er soll aktiv um eine menschenfreundliche und quartierfreundliche Umwelt bemüht sein im Bewusstsein, dass auch sein Quartier einmal von Profithaien und dem (abgedrängten) Sexgewerbe bedroht sein kann.

Mit freundlichen Grüssen

Alex Möchtisnöd, Sekretär

Asylgruppe Schweiz/Antiimps CH/

Zentralafrika Komitee/Radikale Ost

Länggasse

30008 Fern

SRG Generalstab

Postfach

8052 Zürich

An die Herren Medienplaner,

Wir und noch andere Drittweltgruppen, deren Aufzählung hier zu langatmig würde, haben uns zu einer Brainstorm-Sitzung zusammengetan, um mit allem Nachdruck und mit allem Power gegen dieses miese Spiesserprojekt der SRG-Schergen zu protestieren. Die kapitalistische Ausbeutung und Kompromissbereitschaft auf ihrem Zenith, Proletarier und Drittweltangehörige zur Belebung des Lokalkolorits, Ignoranz und Unsensibilität bei der Zeichnung solcher Charaktere, die einmal mehr nur Handlanger — und erst noch befriedete! — der kapitalistisch organisierten Massen- und Konsumgesellschaft sind, aller Würde beraubt, geschleift durch den egalitären Unterhaltungsschleim gehirnangegriffener, im DNA-Code gestörter TV-Autor/innen, die „Demokratie“ schreien und doch nur feige Anpassung meinen. Und dies soll die Antwort auf den medialen Yankee-Imperialismus sein? Diese kotzverlogene Landidylle mit ein paar Randgruppentupfern soll die Ami, Dallas, Denver & Co. von ihrem über die Bedürfnisse aller Länder hinweg konzipierten Massenverblödungsscheiss, der von Timbuktu bis Bahia den Entrechteten und Verdammten dieser Erde, unseren Companeros in den Elendsquartieren gezielt über den Kasten flimmert, von ihrem arrogant behaupteten Platz verdrängen? Aber doch nicht so, meine Herren, doch nicht Gleiches mit Gleichem vergelten und schuldig werden?

Wir werden uns einen improvisierten Auftritt im Studio Leutschenbach Vorbehalten. Freedom for Nicaragua, Power to the People.

Beni Vinniger, für alle

Solidarity for Mali

Headquarters

Rue de l’emigrant

F-Paris 45ième-Neuville

Swiss Television

Creative Dept.

P.O. Box

8052 Zürich

Dear Sirs,

Through a dear friend of yours presently engaged in solidarity work in Zurich we have learned that you plan a TV series in which some „Zentralafrikaner“ is to play a major role. In our long and ardous fight for freedom for Mali and self-government, we are extremely concerned about the term „central Africa“ which implies a vast territory of some unknown negroes flushing to Europe on the first occasion in pursuit of money and pleasure.

This, however, is not so. We from Mali and our compatriots from Ghona as well as Timbasseland, Tanja, Natswana, all presently fighting for independence, try to do important work here and only a few are lured to Western luxuries, abandoning a long and necessary fight in their country. We do, thus, not think that it is a good idea to depict such an „African“ (there are so many from such varied and different countries!) who could not put up with our extremely low Gross National Product (GNP) and made it do Zurich of all places (where tyranns deposit their money, as you know!), engaged in shady business, to make matters worse. How about a decent representative from our continent? We would gladly help you with research and advice.

Please contact us for further information.

Yours sincerely,

Ukelele Matobolo, chairman

Ulrich Schnider

Similarweg 16

68892 Sursee

Schweiz. Fernsehen

Abt. JUBELOC Postfach

8052 Sursee

Sehr geehrte Herren,

Jetzt werde ich bereits seit zwei Wochen dauernd auf Ihre neue Serie JUBELOC angesprochen, und gestern hat mir die Frauengruppe auch Ihr Treatment zur Lektüre ausgeliehen.

Ich möchte mich mit aller Entschiedenheit gegen die Platzierung der Geschehnisse in Sursee verwahren. Sie werden sicherlich gleich verstehen warum. Ich bin Architekt, bin verheiratet und habe zwei Söhne. Meine Frau engagiert sich voll guten Willens in der sozialen Arbeit für die Benachteiligten dieser Welt. Mein Bruder führt die von unserem Vater übernommene Fabrik für Textilmaschinen. Dass wir wegen Fragen der Firmenleitung uns zur Zeit in einem Gerichtsfall befinden, soll Ihnen als Hinweis genügen.

Sehr geehrte Herren, ich gehe davon aus, dass Sie JUBELOC an einen anderen Ort verlegen. Sollten Sie mir dies nicht innert zwei Wochen schriftlich bestätigen, sähe ich mich zu den in solchen Fällen üblichen Schritten veranlasst.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich

hochachtungsvoll

gez. Schnider

— Kopie an Zentralverband Schweizer Gewerbe

Zentralverband

Schweizer Gewerbe

Rechenstr. 14

60040 Mozern

Schweiz. TV

Direktion

Postfach

8052 Zürich

Sehr geehrter Herr Direktor,

Ulrich Schnider, Architekt aus Sursee, hat uns sein Schreiben an Sie sowie eine Kopie Ihres Treatments JUBELOC zukommen lassen.

Die inzwischen mit unserem Mitglied Ulrich Schnider geführten Gespräche und die Lektüre des Treatments veranlassen uns zu folgender Stellungnahme: Wir werden alles daran setzen, dass die Herrn Schnider verunglimpfenden Personenangaben (die wohl kaum zufällig zustande kamen) resp. der Ort der Handlung noch geändert werden. Herr Schnider fühlt sich zu Recht durch Ihre Machenschaften in seiner Person und Geschäftsführung schwer beeinträchtigt. Es kann wohl kaum im Interesse Ihrer Institution liegen, Betroffenheit in der hier geplanten Art zu bewirken. Aus diesem Grunde gehen wir davon aus, dass eine rasche Einigung möglich ist.

Wir sind mit Herrn Schnider übereingekommen, dass der diesen Fall betreffende Schriftverkehr ab sofort über unser Sekretariat abgewickelt werden soll, selbstverständlich mit Kopie Ihrer Schreiben an Herrn Schnider.

In diesem Sinn verbleiben wir

mit freundlichen Grüssen

Zentralverband Schweizer Gewerbe

Franz Hammer

GMS

Gruppe Medienschaffende Schweiz

Drehstr. 15

80632 Belichtigen

Herrn

Leo Schürmann, Generaldirektor

Postfach

8052 Zürich

Sehr geehrter Herr Schürmann,

Wir, die legitimen Vertreter Schweizer Journalisten, möchten unser Missfallen an der geplanten Fernsehserie nicht verhehlen. Als Vertreter der Printmedien ist es uns ein Anliegen, wie die Schweiz medial reflektiert wird. Wir sind der Meinung, JUBELOC hat keinerlei Relevanz für unser Land, strotzt von Klischees und verspricht keine Resonanz über die Grenzen hinweg, weil, ähnlich wie bereits in „Motel“, Minderheiten und Randerscheinungen nicht integrativen, sondern bloss Alibi-Charakter haben. Gerade die Figuren am Rand müssten genauestens recherchiert sein, müssten in ihrer gesellschaftlichen Funktion ausgelotet und repräsentativ im Kontext stehen.

Laut Artikel 95 des GVU, Absatz 3b ist es ferner nicht zulässig, Figuren des öffentlichen Lebens ohne Gegendarstellungsrecht auftreten zu lassen und wenn Sie im Ernst meinen, Alt-Bundesrat Stick als sozialdemokratische Integrationsfigur beim Surseer-1.-August-Fest auftreten zu lassen, müssen wir uns rechtliche Schritte wegen Konzessionsverletzung vorbehalten.

In der Hoffnung, dass Sie die ganze Uebung abblasen werden, verbleiben wir

Kari Schwerter, Präsident SVJS

Walter Keller
1953, lebt und arbeitet in Zürich, Herausgeber der Kunstzeitschrift Parkett und der Kulturzeitschrift Der Alltag.
(Stand: 2019)
Corinne Schelbert
lebt, arbeitet und argen sich in Zürich. Redaktorin der Wochen- Zeitung.
(Stand: 2019)
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