ANDREAS BERGER

HAUS IM SÜDEN (SEBASTIAN C. SCHROEDER)

SELECTION CINEMA

Neben Rolf Lyssy (Teddy Bar) scheint sich mit Sebastian C. Schroeder ein zweiter helvetischer Filmemacher im schwierigen Genre komödiantischer Unterhaltung profilieren zu wollen. Nach einem prächtig zynischen Kommentar zum einheimischen Kultur- und Fernsehbetrieb in O wie Oblomow (1981), worin Schroeder auch sich selbst kräftig durch den Kakao gezogen hat, hat er jetzt mit Haus im Süden eine eher ruhige, gemächlich dahinfliessende Komödie zu Themen geschaffen, über die es eigentlich überhaupt nichts zu lachen gibt: es geht um den Ausverkauf der Heimat und um Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit.

Wie jedes Jahr im Herbst fahren Robert und Cecile zusammen mit Roberts Mutter in ihre Ferienvilla in der Toskana. Traditionellerweise bereiten ihnen der italienische Verwalter Enzo und seine Familie einen herzlichen Empfang; trotzdem wittern die Ferienhungrigen bald Unannehmlichkeiten. Die erste Ueberrasschung folgt nach dem letzten Glas Wein: höflich, aber bestimmt wird Robert und Cecile klargemacht, dass ihr gewohntes Schlafzimmer besetzt sei und sie im Gästezimmer zu übernachten hätten. Da hat „ihr“ Enzo doch tatsächlich die Frechheit begangen, sich mit seiner Familie in der Villa einzuquartieren und das für ihn gedacht Nebenhaus seinem arbeitslosen Schwager und dessen Frau zu überlassen. Derart anarchistischem Umgang mit Privateigentum will natürlich schnellstens ein Riegel geschoben werden, was sich freilich nicht nur wegen der beginnenden Weinernte schwieriger anlässt als erwartet. Robert und Cecile gelangen zwar an einen smarten Anwalt, der ihre Sache resolut in die Hände nehmen will, der indes nicht nur saftige Honorare einzustecken pflegt, sondern ausserdem in dubiose Geschäfte um Bauzonen und Häuser verwickelt ist. Entnervt reist Cecile zusammen mit Roberts Mutter vorzeitig ab, während Robert allmählich Gefallen an den veränderten Verhältnissen zu finden scheint.

In einem konventionell narrativen, gut gespielten und sauber fotografierten Film schildert Schroeder pointiert Konflikte rund um die Nord-Süd-Problematik. Dass der Regisseur seine Sympathien bei der Konfrontation zweier unterschiedlicher Lebensmentalitäten klar und eindeutig durchschimmern lässt und die Arroganz und Ueberheblichkeit vor allem bei Roberts Ferienbekannten bitter anklagt, wird man den Autoren des Films nicht ankreiden können, im Gegenteil: Im Zeichen des hierzulande grassierenden Ausländerhasses, braucht es noch mehr solcher Filme, die den Zuschauern ohne Lehrstück- und Thesencharakter, sondern in Form einer lockeren Komödie mit herrschenden Missständen konfrontieren.

Andreas Berger
Geboren 1961 in Bern. 1981-82 Geschichtsstudium Universität Bern. 1982-83 Jusstudium Universität Bern. Seit 1980 Filmkritiker für Bund, Zoom und Sonntagszeitung. Eigene filmische Gehversuche ab 1979.
(Stand: 2019)
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