ANDREAS BERGER

DIE WANDLUNG (ARNE NANNESTAD)

SELECTION CINEMA

Die Handlung des Films setzt damit ein, dass im Labor des Chemikers Hugo Zimmermann aus Cornflakes Sugarpuffs und aus Salzstengeln Bretzel werden, was an und für sich bedeutungslos wäre, geschähen in den nächsten Tagen nicht weitere, diesmal tiefgreifendere Veränderungen. Dem Mann der Sexologin Marcia wächst plötzlich ein ansehnlicher Busen, in den Beizen groh- len besoffene weibliche Militärs und aus dem Gremium der Landesväter wird ein gemütlicher Grossmütter-Kaffeeklatschverein. In Bern steht die Welt Kopf: Bis auf den in der Folge arg gestressten Hugo Zimmermann und dessen trotteligen Assistenten verwandeln sich alle Männer in Frauen und umgekehrt. Ein Stadtindianer soll mithelfen, wieder den Status quo herzustellen, erweist sich aber als unbrauchbar, da gekauft. Denn Hugos resoluter Chef bzw. resolute Chefin möchte erst noch kräftig absahnen, bevor ein Gegenmittel auf den Markt kommt.

Verantwortlich für diese komödiantische Version vom uralten Kampf der Geschlechter zeichnet Zampact, eine aus dem Strassentheater Zampanoo’s Variete und dem Londoner Action Theatre hervorgegangene Filmgruppe unter Leitung von Arne Nannestad. Sie haben Die Wandlung aufgezogen als „Wirtschaftskrimi, Gesellschaftskomödie, Burleske und Parodie auf diese Genres“, als „ein politisches Hommage an Frank Capra (der gute Mensch gegen eine korrupte Welt), James Bond (das böse Supergehirn, das die Welt beherrschen will) und Roger Corman (die Kunst, mit einem Schmalspurbudget ein B-Movie zu drehen)“.

Mit Phantasie, Witz, vollem schauspielerischem Einsatz und leichtfüssiger Kamera wehren sich die Zampacts gegen die Zwänge der Produktion und schaffen so das Kunststück eines Films, der leichtverdauliche Unterhaltung bietet und (freiwillig) als heitere Reflexion traditionellen Rollenverhaltens angesehen werden kann.

Andreas Berger
Geboren 1961 in Bern. 1981-82 Geschichtsstudium Universität Bern. 1982-83 Jusstudium Universität Bern. Seit 1980 Filmkritiker für Bund, Zoom und Sonntagszeitung. Eigene filmische Gehversuche ab 1979.
(Stand: 2019)
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