ANDREAS BERGER

TEDDY BÄR (ROLF LYSSY)

SELECTION CINEMA

Die Schwierigkeit, in der Schweiz Filme zu machen, ist ein Dauerthema. Rolf Lyssy, der sich schon mehrmals mit unterschiedlichem Geschick um heitere helvetische Selbstkritik bemühte, hat daraus einen Film gemacht, eine schwarzweisse Komödie, die in der Quintessenz allerdings nur noch schwarz ist.

Für seinen beim Publikum durchgefallenen Film Ein Walzer für meine Mutter erhält der Zürcher Regisseur Teddy Bär in Amerika den Oscar für den besten ausländischen Film. Bei seiner Rückkehr wird er entsprechend gefeiert: Schon im Flughafengebäude überfällt ihn eine Offiziellen-Delegation mit Blumen und Glückwünschen; nur ein eifriger Zollbeamter stimmt nicht ein in den hohlen Lobgesang und begutachtet misstrauisch und mit echt schweizerischer Gründlichkeit die mitgebrachte Oscar- Statue. Nun, so meint der über Nacht zum Publikumsliebling avancierte Teddy Bär, müsste es eigentlich kein Problem mehr sein, die nötigen Finanzmittel für seinen neuen Film Der Tresor zu erhalten, einen Thriller um einen nie geklärten Diebstahl von 100’000 Franken aus dem städtischen Polizeiamt. Die Stadt Zürich würde ihn gerne unterstützen, allerdings nur, wenn er das Thema wechselt. Auch die Kirche würde ihm unter die Arme greifen, wenn er den Tresor gegen eine Heiligenfigur austauscht. Fernsehredaktoren lehnen eine Unterstützung des „heissen“ Sujets mit fadenscheinigen Hinweisen auf formale Mängel ab, lediglich ein Unterwäsche-Konzern zeigt sich interessiert. Dafür allerdings muss sich Teddy Bär erst für eine Werbekampagne einspannen lassen, die ihn bald überfordert und paranoide Aengste in ihm weckt, weiche er — erfolglos — mit Pflastersteinen zu bekämpfen versucht. Die Bemühungen um sein brisantes Projekt, das verschiedene „interessierte“ Kreise recht vehement zu verhindern trachten, bringt Teddy Bär schliesslich ins Irrenhaus. Bevor er dort einen Aufstand in Szene setzen kann, wird er geheilt entlassen. Er mochte jetzt einen anderen Film machen: keinen über Geld, Korruption und Schnüffeleien, sondern einen über Geld, Korruption und Kultur.

Spätestens der Schluss formuliert unübersehbar, dass Lyssy in dem nach aussen hin so komischen, aber eigentlich traungmachenden Film über die Schwierigkeiten, in der Schweiz politisch relevante, angriffige Filme zu machen, zahlreiche autobiographische Erfahrungen verarbeitet hat. Dabei hat er gleich selbst die Hauptrolle übernommen und liefert als Filmemacher Teddy Bär ein glänzendes Hommage an Groucho Marx.

In Teddy Bär verbinden sich Witz, Selbstironie und hautnahe Klimaschilderung fast nahtlos. Der im Vergleich mit den vorangegangenen Schweizermachern und Rassettenliebe billig produzierte Film ist Lyssys bisher beste, treffendste Komödie.

Andreas Berger
Geboren 1961 in Bern. 1981-82 Geschichtsstudium Universität Bern. 1982-83 Jusstudium Universität Bern. Seit 1980 Filmkritiker für Bund, Zoom und Sonntagszeitung. Eigene filmische Gehversuche ab 1979.
(Stand: 2019)
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