MARTIN SCHAUB

LEITFILME — ANTHOLOGIE DER “EIGENEN ANGELEGENHEITEN” IN 100 FILMEN

ESSAY

Einige Leitfilme werden mehrmals, in verschiedenen Zusammenhängen, erwähnt und, mehr oder weniger ausführlich, abgehandelt. Sie erscheinen in diesem dokumentarischen Anhang nur einmal, und zwar in der Regel im Rahmen ihrer prominentesten Darstellung im Textteil. Filme aus dem Jahr 1983 werden hier nur genannt, mit einem Verweis auf den “Index 1983” von Peter Schneider.

Die 100 Filme repräsentieren eine Art Vorschlag für eine spezifische Anthologie des neuen Schweizer Films von 1963 bis 1983. Für eine gültigere Anthologie müssten einige weitere dazukommen, wahrscheinlich nicht allzuviele, denn der Schweizer Film hat sich eben vorwiegend mit schweizerischen Stoffen abgegeben. Immerhin fällt in dieser Zusammenstellung von “Leitfilmen” die Absenz der “Dritte Welt-Filme”, der Trick- und Experimentalfilme und der von schweizerischen Autoren geschaffenen ortlosen oder internationalen Filme auf. Das liegt in der Natur der hier vorgelegten Untersuchung. In unserem Zusammenhang haben auch die schweizerischen “Regie-Reisläufer” in Frankreich und Deutschland keinen Platz finden können; selbst den “Heimkehrer” Jean-Luc Godard haben wir unterschlagen müssen. - Auffällig ist weiter, dass viele marginale Filme der “80er-Bewegung” fehlen. Das ist kein Versehen; sie setzen sich ab von den Trends und Tendenzen des “neuen Schweizer Films”, der für die jüngsten Autoren bereits wieder ein “alter” ist, und sie widersetzen sich vorläufig noch einer einigermassen systematischen Darstellung.

Abkürzungen bei den Filmdaten

P: Produzent und Produktionsjahr

B: Drehbuch oder Drehvorlage

R: Realisation

K: Kameramann oder „directeur de la photographie“, je nach Größe des Films

T: Toningenieur, -techniker

L: Licht (wird bei speziellen Fällen genannt)

S: Schnitt

Aus: Ausstattung, Bauten, Kostüme (wo von Bedeutung)

M: Musik

D: Darsteller

16/35: gedreht in 16 mm, aufgeblasen auf 35 mm

s/w: schwarz weiss

V: Verleih in der Schweiz

WR: Weltrechte

Werden andere Daten genannt, sind sie entweder ausgeschrieben oder mit allgemein verständlichen Abkürzungen gekennzeichnet.

I Prozesse mit den Vätern

RICHARD DINDO

Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg

Befragung von Schweizern, die in Spanien für die Republik gegen den Faschismus gekämpft haben. Gründe, Fraktionen, Aburteilung in der Schweiz, Rehabilitation, Demokratieverständnis. Material aus den Archiven der Zeugen und aus vielen anderen Quellen; Filmausschnitte aus Spanish Earth von Joris Ivens.

P: Richard Dindo, 1973; R, B, und S: Dindo; K: Rob Gant; T: Robert Boner; 16 mm, Farbe, 87 ’

RICHARD DINDO

Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.

Rekonstruktion des kurzen Lebens des Ernst S., der in der Nacht auf den 11. November 1942 wegen Landesvorrats hingerichtet worden ist. Spurensicherung in Ernst S.’ Landschaft, bei Menschen die ihm nahegestanden haben, bei anderen, die mit der Strafsache zu tun hatten. Vor allem die Brüder des Landesverräters geben Aufschluss über eine ziellose Existenz; die anderen Zeugen evozieren eine schwierige Zeit, die sich kein Pardon leisten konnte oder wollte. Der Film geht von Interview zu Interview, “nimmt die Landschaft mit”. Die Spurensicherer erscheinen selbst im Bild.

P: Dindo, Filmkollektiv Zürich, 1976; R: Richard Dindo; Kommentar: Niklaus Meienberg; K: Rob Gnant, Robert Boner; T: Benjamin Lehmann; S: Georg Janett; 16 mm, Farbe, 100 ’

RICHARD DINDO

Hans Staub — Fotoreporter

Porträt des 83-jährigen Hans Staub, der während dreissig Jahren die soziale Geschichte der Schweiz - Krise, Weltkrieg, Nachkriegsjahre - fotografiert hat. Zwischen dem Filmer und seinem Darsteller steht, als Vermittler, ein mit Staub vertrauter Interviewer.

P: Dindo, Filmkollektiv Zürich, 1978; R und S: Richard Dindo; Vermittler: Guido Magnaguagno; K: Otmar Schmid; T: Alain Klarer; 16 mm, s/w, 60 ’

RICHARD DINDO

Max Frisch, Journal I-III (eine filmische Lektüre der Erzählung ”Montauk”, 1974)

Befragung des autobiographischen Textes von Max Frisch mit Hilfe von Fremdmaterial, verwandten Texten, “Lokalterminen” in Zürich, Rom, Berlin und New York. Die Auseinandersetzung des Textes und eine Auseinandersetzung mit dem Autor in drei Kapiteln: “Warum reisen wir?”, “Wieviel Heimat brauchen Sie?” und “Wir leben mit den Toten”. Wieder ist auch ein “Vertreter” des Realisators im Bild, diesmal eine Frau, weil sich die Auseinandersetzung auf das Verhältnis Mann-Frau zuspitzt.

P: Dindo, Saga S. A., 1981: R und B: Richard Dindo; K: Renato Berta, Robert Boner, Hughes Ryffel, Judy Irola (USA), Rainer Trinkler; S: Dindo und Jürg Hassler, Georg Janett, Fredi M. Murer, Rainer Trinkler; T: Alain Klarer; Videotechnik und Trick: Jürg Hassler; 16 mm, Farbe, 120 ’

RICHARD DINDO

Max Häufler, “Der Stumme”

Siehe Index 1983

VILLI HERMANN, NIKLAUS MEIENBERG, HANS STÜRM

Es ist kalt in Brandenburg (Hitler töten)

Rekonstruktion des kurzen Lebens des Neuenburger Theologiestudenten Maurice Bavaud, der in Berlin, Berchtesgaden und München versuchte, Hitler zu töten, im Zug von München nach Paris aufgegriffen, am 18. Dezember 19,59 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 14. Mai 1941 enthauptet wurde. “Lokaltermine” mit dem Schauspieler Roger Jendly, der auch Bavauds Briefe liest. Spurensicherung, auch jene des Faschismus in der Bundesrepublik, des Militarismus in der DDR und in der Schweiz.

P: Hermann, Meienberg, Stürm und Filmkollektiv Zürich, 1980; R, B und S: Villi Hermann, Niklaus Meienberg, Hans Stürm in Zusammenarbeit mit Roger Jendly; K und T: Hermann, Stürm; M: Frank Wolff; Videotechnik; Jean Richner; 16 mm, s/w, 140’

MATHIAS KNAUER

Die unterbrochen Spur

Antifaschistischer Widerstand in und aus der Schweiz, exilierte Antifaschisten und ihre schweizerischen Helfer, von 1933 bis 1945, aber auch die Reaktionen (Ausweisung, Abschiebung, Internierung, Arbeitsverbot, Arbeitslager, Verbot politischer Aktivitäten usf.) der offiziellen Schweiz mit ihrer Doktrin der Neutralität. Ein Film in 28 nicht dramatisch sich steigernden Sequenzen, in “Querschnitten”, mit den Oertlichkeiten, deren “Geheimnis” aufgeschlossen wird, mit ehemaligen Widerstandskämpfern und schweizerischen Helfern.

P: Filmkollektiv Zürich, 1982; Recherchen, B, R und S: Mathias Knauer; K: Rob Gnant; S: Hannelore Künzi; T: Andreas Litmanowitsch; L und Aust: Bejamin Lehmann, Werner Santschi; M: Roland Moser; 16 mm, Farbe, 144’

MARKUS IMHOOF

Ormenis 199 † 69

Absurde Argumentation für die und vehemente Kritik an der schweizerischen Kavallerie und ihren Ideologen.

P, B, R und S: Markus Imhoof, 1969; K: Otmar Schmid, Clemens Klopfenstein; M: “Krokodil”, Walti Anselmo, Düde Dürst; 16 mm, s/w, 27’

MARKUS IMHOOF

Das Boot ist voll

Sieben Personen ist 1942 die Flucht in die neutrale Schweiz gelungen, doch diese beschliesst im August eine Verschärfung ihrer Aufnahmebedingung. Die Sieben versuchen, auch mit etwas Komplizität einiger Dörfler, durch Kleider-, Rollen- und Papieretausch die Bedingungen zu erfüllen, doch der Dorfpolizist durchschaut das Verstellspiel, fühlt sich hintergangen und ordnet das offizielle Verfahren an. Die rassisch Verfolgten werden ausgewiesen, die “Politischen“ können bleiben. Imhoofs Absicht war es, auf dem aktenkundigen Hintergrund schweizerischer Asylpolitik während des 2. Weltkrieges eine mögliche Geschichte, die sich in kleinen einsehbaren Schritten ergibt, zu erzählen: Geschichte in ihrer Entstehung.

P: Limbo Film AG, 1980; B und R: Markus Imhoof; K: Hans Liechti; T: Vladimir Vizner; S: Helena Gerber, Fee Liechti; Aus: Max Stubenrauch, Sylvia de Stutz; ausf. Prod: George Reinhart; D: Tina Engel (Judith), Hans Diehl (ihr Mann), Martin Walzer (deutscher Deserteur), Curt Bois (Lazar Ostrowskij), Ilse Bahrs (seine Frau), Renate Steier und Mathias Gnädinger (Wirteehepaar), Michael Gempart (Dorfpolizist) u.v.a.m.; 16/35 mm, Farbe, 100’

PATRICIA MORAZ

Le chemin perdu

Bevor der alte Léon Schwarz stirbt, bringt er noch mehrere Angelegenheiten in Ordnung. In den Enkeln Cécile und Pierre sieht er seine eigentlichen Testamentsvollstrecker. Was in den wenigen Monaten zwischen Vorfrühling und Sommer passiert, sieht man vorwiegend aus der Perspektive Céciles und ihres kleinen Bruders. Kritisch liegt dieser Blick auf den Eltern, die eine alte Geschichte noch nicht bewältigt und zudem mit dem „roten” Grossvater noch immer Mühe haben. Der Sohn eines ehemaligen politischen Kampfgefährten soll die Abdankungsrede halten; Angelo reist an, aber er spricht nicht; er liiert sich mit der Frau, mit der der Grossvater befreundet war und fällt deshalb bei Cécile auch in Ungnade. Doch Angelo, ihre erste Liebe, ist es auch, der sie den Weg, den die Eltern verloren haben, wieder finden lässt. Sie träumt, wie sich der Adler, den die Eltern in ihrem Atelier präparieren, in den nächtlichen Himmel erhebt.

P: Abilène, M.K.2, Paris, F 3, Bruxelles, Cactus, Zürich, Saga, Lausanne, 1979; R und B: Patricia Moraz; K: Sacha Vierny; S: Ricardo Castro; S: Thierry Derocles, Aus: Alain Nicolet; D: Charles Vanel (Léon Schwarz), Delphine Seyrig, Vania Vilers (die Eltern), Clarisse Barrere, Charles Dudoignon (die Kinder), Magali Noel (Maria Tonelli), Remo Girone (Angelo) u.a.m.; 35, Farbe, 107’


II Utopie aus den Relikten

CLAUDE CHAMPION

Le moulin Develey sis à la Quielle

Der Film beschreibt die Funktion einer mit Wasser betriebenen Mühle im Waadtländer Jura, kurz vor der Stillegung dieser letzten Dorfmuhle der Gegend. Die Familie Develey hat sie seit drei Generationen geführt. Louis Develey erklärt den Mechanismus der Mühle und demonstriert die verschiedenen Arbeitsgänge noch einmal, bevor Mühlsteine und Rad für immer stillstehen. Das ist der technische Aspekt. Andererseits wird ein ganzes Klima vermittelt, das Klima autonomer Arbeit, die ruhige Gelassenheit eines Familienbetriebs, in dem jeder seine Funktion hat. - In diesem Schau-Film gibt es keine einzige Grossaufnahme, keinen Zoom und nur selten eine Kamerabewegung.

P: Nemo Film, Zürich, 1972; B, R und S: Claude Champion; K: Henri Rossier; T: Roger Tanner; 16 mm, s/w, 57’

YVES YERSIN, EDUARD WINIGER

Die letzten Heimposameter

Die Seidenbandfabrikation hat während rund 200 Jahren eine ganze Region um Basel miternährt. 1880 standen 5000 Webstühle in fast ebensovielen Haushalten; 1972 sind es nur noch deren 60. Vom Detail der Arbeit mit den feinen Fäden greift der Film immer wieder aus ins Soziale und Historische. Die Heimposameter erklären nicht nur ihre Arbeit, sondern die ganze Struktur eines raffiniert organisierten Heimarbeitersystems, das zwar ganze Dörfer ernährt, sie aber auch kontrolliert und ausgebeutet hat. Der Film reicht bis in die Gegenwart: bei den wenigen verbliebenen Heimposamentern und den industriellen Betrieben, die sie abgelöst haben. - Wohl das erste Beispiel eines weitgehend inszenierten Dokumentarfilms und einer vielschichtigen, äusserst subtilen Montage, die gleichzeitig verschiedenste Stoffe weiterentwickelt.

P: Yves Yersin, Nemo Film, Zürich, 1973, B: Yersin, Eduard Winiger; R und S: Yves Yersin; K: Winiger, Otmar Schmid; T: Roger Tanner; L: André Pinkus; 16 mm, s/w und Farbe, 105’

FREDI M MURER

Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind

Ein Film mit Leuten aus dem Kanton Uri, in drei Sätzen, die die geographischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Differenzen an Beispielen aufzeigen. 1. Göschner Tal: Göschenen und sein Tal sind durch die Tunnelbauten aus dem organisch gewachsenen Gleichgewicht geschleudert; die Alpwirtschaft könnte untergehen. 2. Schächental (und Urnerboden): die traditionelle Alpwirtschaft funktioniert noch, wie die Beobachtung eines Familienbetriebs vor Augen führt. 3. Maderanertal: Bristen, eine Gemeinde im Umbruch; da die Einkünfte der Alpgenossenschaften nicht mehr ausreichen, fahren viele täglich zur Arbeit ins Tal. - Der Film verzichtet auf jeden Kommentar, adaptiert die Sehweise der Darsteller, lässt sie ausführlich zum Wort kommen. Einige Darsteller kontrollieren ihre früheren Aussagen ab Tonband, während ihnen die Kamera zuschaut. Noch in schwierigsten topographischen Verhältnissen und in engsten Innenräumen bewegt sich die Kamera sanft und ebenmässig. Murer hat seine Equipe - wie eine Expedition mit ganz klarem Ziel - mit Spezialgerät ausgerüstet. Die Dreharbeiten und die Montage dauerten je ungefähr ein Jahr.

P: Nemo Film, Zürich, 1974, B: Murer, unter Mitarbeit von Jean Pierre Hoby und Georg Kohler; R und S: Fredi M. Murer; K: Iwan P. Schumacher; T: Luc Yersin; L und HTF (homme à tout faire) Benjamin Lehmann; 16 mm, Farbe, 90’

BEAT KUERT

Mulungu

Ein Architekt begibt sich aus der Grosstadt über Autobahnen, Staatsstrasse, schliesslich auf einer Bergsstrasse in ein letztes alpines Reliktgebiet, das noch “zu erschliessen” ist. Aber da ist das Geheimnisvolle, das Magische, ist die beseelte Dingwek, die sich dem “modernen” Mann in einem Geist, der Ziegenkönigin zeigt. - Der Film orientiert sich an C. G. Jungs Tiefenpsychologie.

P: Barbara Riesen, Zürich, 1974; B und R: Beat Kuert; K: Hans Stürm, Hans Ulrich Schenkel; S: Kuert und Riesen; T: Peter Brodbeck; M: Michel Seigner, Tora TaroT; D: Klaus Henner Russius (der Heutige), Eva Schuckhart (Ziegenkönigin), Laien aus dem Lötschental; 16 mm, Farbe, 86’

HANS-JAKOBSIBER

Die Sage vom alten Hirten Xeudi und seinem Freund Reiman

Aufnahmen (16 mm, 8 mm, Dias), die der Autor während einem Jahr im zentralen Alpengebiet aufgenommen hat, und die Musik der “Mandrake Memorial” orchestrieren eine kleine Spielhandlung - einer verkauft sein “Heimet” und verkommt. Ein Teil des Materials war schon “in der Kamera montiert” worden, der Rest wurde an einem selbst gebauten Tricktisch bearbeitet.

P, B, R und K: Hans-Jakob Siber, 1974; M: The Mandrake Memorial; D: Alexander von Bergen (Xeudi), Hans Reiman (Reiman), Laien; 16 mm, Farbe, 50’

III Die Desertion, eine Versuchung

REMO LEGNAZZI

Chronik von Prugiasco / Zweiter Anfang

Das Leben des Dorfes Prugiasco im Bleniotal, das einmal ein Bergbauerndorf war und im Laufe des 20. Jahrhunderts durch Emigration und “Rucksackbauerntum” seinen Charakter, seine Existenzgrundlage allmählich verloren hat. Die vier Jahreszeiten im Dorf und Ausflüge des Films zu jenen, die fortgezogen sind.

P: Cinov, Bern, 1978; B, R und S: Remo Legnazzi; K: Werner Zuber, Urs Kohler; T: Urs Kohler, Hugo Sigrist; M: Mito Mandioni; 16 mm, Farbe, 115’

Tessiner Emigranten in Kalifornien, ihre Arbeit, ihre soziale Integration, ihre Heimwehkultur, ihr Verhältnis zu den Früher- und zu den Späterangekommenen (mexikanische Immigranten).

P: Cinov, Bern, 1981; B, R und S: Remo Legnazzi; K: Fritz E. Maeder, Hugo Sigrist; T: Pavol Jakovsky; 16 mm, Farbe, 90’

BRUNO MOLL

Gottliebs Heimat

Der Rückkehrer Gottlieb Hoser, vereint mit seiner Jugendliebe, die er vor über sechzig Jahren verlassen hat, um in den USA sein Glück zu machen, erzählt seinen Weg in Amerika ... mit einem nur leichten Akzent. Es ist eine Aufsteigergeschichte, deren Spuren das Filmteam in Amerika und auf den - wenigen - Bilddokumenten folgt.

P, B, R und S: Bruno Moll, 1978, K: Edwin Horak; T: Florian Eidenbenz; S: Vendula Roudnicka; 16 mm, s/w, 52’

SEBASTIAN C. SCHROEDER

Südseereise

Unzufrieden mit sich selbst und mit dem Leben in der Schweiz, möchte Sebastian abhauen. Doch da gibt es Sachen, die ihn zurückhalten, und auch Menschen: Frau und Kind. Seine Trips macht er, wenn er alte Videotapes von einem längeren Aufenthalt in den USA betrachtet. Ein Autostopper, den er einmal mitnimmt, ein Schweizer auch er, spricht nur noch englisch. Sebastian träumt, aber der Filmautor (der die Hauptfigur selber spielt) lässt ihn nicht abfahren. Er wird weiterhin herumhängen und mit seiner Rolle als Mann und Vater nicht zurechtkommen.

P: Nemo, 1978; R, B und S: Sebastian Schroeder; K: Hans Liechti; T: Florian Eidenbenz; D: Schroeder, Ursula Klar, Phillipp Nicolas u.a.m.; 16 mm, s/w, 60’

ALAIN TANNER

Le retour d’Afrique

Vincent, der als Gartner arbeitet, und Françoise, Sekretärin in einer Galerie, wollen die Schweiz verlassen und sich in Algerien niederlassen, doch der Freund, der bereits dort ist, rät ihnen, zuhause zu bleiben. Mit der Hilfe des Fremdarbeiters Emilio, der seinerseits aus fadenscheinigen Gründen abgeschoben wird, lernen die beiden, dass es - weil man vorläufig noch darf - in der Schweiz viel zu tun gibt. Sie organisieren eine Mieteraktion, und sie beschliessen, den “vereinigten Politikern und Händlern” einen “Landesverräter” ins Nest zu setzen. Aber wichtig ist auch, dass sie die Familienstrukturen selber nicht perpetuieren, dass sie Gleichberechtigung leben.

P: Tanner mit Groupe 5, 1973; B und R: Alain Tanner; K: Renato Berta; T: Marcel Sommerer; S: Brigitte Sousselier; M: J. S. Bach, orchestriert von Arié Dzierlatka; D: Josee Destoop (Françoise), François Marthouret (Vincent), Roger Ibanez (Emilio), Juliet Berto, Anne Wiazemsky u.a.m.; 16/35 mm, s/w, 113’

ALAIN TANNER

Messidor

Jeanne, Studentin im Lernüberdruss, und Marie, Verkäuferin, lernen sich zufällig kennen und beginnen ein Spiel, das schneller, als sie es ahnen können, Ernst wird. Sie versuchen, ohne Geld im reichsten Land der Welt unterwegs zu sein. Es verschlägt sie in alle Landesteile; das Abenteuer in einem Land, das auch noch das nicht zu Ordnende ordnet, verwirrt sie nicht nur, es macht sie krank. Sie könnten sich aufgeben, drehen durch, erschiessen einen Unbekannten.

P: Action Films, Gaumont, Paris, Citel, Genf: 1979; B und R: Alain Tanner; K: Renato Berta; T: Pierre Gamet; S: Brigitte Sousselier; M: Arie Dzierlatka; D: Jeanne Amouroux (Jeanne), Catherine Retore (Marie) u.v.a.m.; 35 mm, Farbe, 120’

CHRISTIAN SCHOCHER

Reisender Krieger

Krieger, er heisst so, ist in der Schweiz unterwegs für den amerikanischen Kosmetik- Konzern Blue Eye, von einem Salon zum nächsten, und von einer nächtlichen Szene zur anderen. Die Kunden kennen ihn und verkehren mit ihm entsprechend. Aber da gibt es auch Zufallsbekanntschaften, auf die sich Krieger allerdings bis zum Schluss nicht einlässt: ein Freak, ein Bauernmädchen, jede Menge von grossstädtischen Randfiguren, schliesslich ein junger Deutscher, der desertiert ist. Krieger wohnt in einer Schlafsiedlung am Rande der Grossstadt, das heisst seine Frau wohnt dort. Nach seiner wöchentlichen Odyssee kehrt er mit dem Deutschen, mit “Telemach”, dorthin zurück.

P, B und R: Christian Schocher, 1981; K: Clemens Klopfenstein; T: Hugo Sigrist; S: Schocher und Franz Rickenbach; D: Willy Ziegler (Krieger), Marianne Huber (Circe), Max Ramp (Don Costa, ein Kollege), Heinz Lüdi (Boddhisvata), Barbla Bischoff (Nausikaa), Jürgen Zöller (Telemach) ; 16 mm, s/w, 195’

CLEMENS KLOPFENSTEIN

Geschichte der Nacht

Nachtaufnahmen, leicht bewegt (“atmend”) aus der Hand gefilmt... aus 19 europäischen Ländern. Nachtgeräusche. Dunkle Nächte, helle Nächte. Das wächst zusammen zum Nachtbild eines einzigen (inneren) Schauplatzes. - Kein Licht wurde gestellt; das Kodak 4-X-Material ist auf 800° bis 1200° ASA entwickelt worden.

P: Ombra, Klopfenstein 1979; Konzept, R, K und S: Clemens Klopfenstein; T: Hugo Sigrist; M: Ussak Merlevi Ayini, Third Ear Band; 16 mm, s/w, 1979

CLEMENS KLOPFENSTEIN

Transes - Reiter auf dem toten Pferd

Aus der Enge einer Wohnung bricht einer aus, setzt sich ins Auto. Nun geht die Fahrt nordwärts; Nacht, Schnee, Regen, Geschwindigkeit, Jagd nach dem Fluchtpunkt der Bewegung. Dann wechselt die Kamera das Gefährt und blickt nun auch seitwärts, aus einem Zug, aus verschiedenen Zügen, die irgendwie nach Süden, dann nach Osten fahren. Manchmal steigt sie aus, blickt sich und hört sich um. Dann steigt sie wieder in die Bewegung zu. Die letzte Einstellung könnte auch ewig dauern. “Es” fährt und steht still.

P: Ombra, Klopfenstein, 1982; Konzept, R und K: Clemens Klopfenstein; T und S: Hugo Sigrist; Ass.: Serena Kiefer, Andreas Scheuwly; 16 mm, s/w, 86’

CLEMENS KLOPFENSTEIN

Das Schlesische Tor

Siehe Index 1983

FRIEDRICH KAPPELER

Stolz oder die Rückkehr

Jörg Bär, der als Fotograf im Ausland gearbeitet hat, kehrt nachhause, in die Kleinstadt zurück, weil es “ein gutes Gefühl ist, wieder einmal eine Familie zu haben”. Doch in der Heimat findet er sich nicht mehr zurecht; vieles hat sich zum Schlimmen verändert, und der Vater, auch er Fotograf, hat sich verhärtet. Mit der Freundin von damals nimmt Jörg wieder Kontakt auf, aber sie ist nicht mehr ganz dabei; den Grossvater hat die Familie ins Altersheim abgeschoben. Noch rettet Jörg dem Vater das Leben, aber dann muss er wieder gehen. Er will nicht, dass ihn die Heimat kaputt macht.

P: Nemo Film, 1980 für SRG; B und R: Friedrich Kappeler; K: Thomas Mauch; T: Hans P. Künzi; S: Georg Janett; Aus: Edith Peier, Greta Röderer; D: Yves Jansen (Jörg Bär), Walter Wefel, Elsbeth Gmür (Eltern), Astrid Keller (Freundin) u.a.m.; 16 mm, Farbe, 63 Minuten

YVES YERSIN

Les petites fugues

Pipe, der Knecht, kauft sich mit seinen ersten paar Altersrenten ein Moped, lernt fahren und verlernt die Arbeitsdisziplin. Immer weiter führen seine kleinen Fluchten, zuletzt an ein Motocross, wo er sich in einem einzigen glücklichen, aber einsamen Taumel verliert. Wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand darf er sein Moped nicht mehr benützen. Er zerstört es, holt aber einen Siegerpreis vom Motocross hervor: eine Sofortbildkamera, mit der er nun seinen innersten Lebenskreis “erfährt”: den mürrischen Bauern John, seine kranke Frau, den ungeduldigen Sohn Alain und dessen ergebene Verlobte, die Tochter Josiane mit ihrem Kind, den italienischen Saisonnier Luigi. Einen Traum gestattet sich Pipe: einen Helikopterflug um das Matterhorn. Vorzeitig bricht er ihn ab, um seine “ethnographische” und soziale Arbeit auf dem Hof weiterzuführen. Da passieren jetzt, direkt und indirekt ausgelöst durch Pipe, Dinge, die schon lange in der Luft lagen: John legt die Verantwortung in die Hände des Sohnes, Luigi muss gehen, Josiane zieht wieder in die Stadt.

P: Film et Vidéo Collectif, Lausanne, Filmkollektiv, Zürich, Les Films 2001, Pans, 1979; B : Yersin und Claude Muret; R und S: Yves Yersin; K: Robert Alazraki; T: Luc Yersin; Aus: Jean-Claude Maret, Marianne Monnier; L: André Pinkus; M: Léon Francioli, Guillermo Villegas; D: Michel Robin (Pipe), Fred Personne (John), Fabienne Barraud (Josiane), Dore de Rosa (Luigi), Mista Préchac (Mutter), Laurent Sandoz (Alain) u.v.a.m.; 35 mm, Farbe, 138’ (105’)

IV Selbstverwirklichung, Verweigerung: jeder für sich

ALAIN TANNER

Charles mort ou vif?

Charles Dé, fünfzigjähriger Genfer Fabrikant, verlässt Betrieb und Familie; er findet Unterschlupf und Freundschaft bei dem “wilden” Paar Paul und Adeline. Die Tochter Marianne besucht ihn ab und zu und führt mit ihm eine Art Bildungsprogramm durch. Der Sohn Pierre dagegen engagiert einen Privatdetektiv, macht den Vater aus und schickt ihm die Ambulanz der Klinik Flickmann in die Idylle von kurzer Dauer.

P: Tanner mit Groupe 5, 1969; B und R: Alain Tanner; K: Renato Berta; T: Paul Girard; S: Sylvia Bachmann; M: Jacques Olivier; D: François Simon (Charles Dé), Marcel Robert, Marie-Claire Dufour (das wilde Paar), Maya Simon (Marianne), André Schmidt (Pierre Dé) u.a.m.; 16/35 mm, s/w, 92’

ALAIN TANNER

Jonas qui aura 25 ans en l’an 2000

Die Erben des Mai 1968, deren Namen alle mit dem Buchstaben “M” beginnen, finden sich allmählich in der Gärtnerei von Marcel und Marguerite zusammen: Max, der desillusionierte Aktivist, Madeleine, die Reisende (in die Ferne und in den eigenen Schädel), Mathieu, der arbeitslose Typograph, und Mathilde, die Vitale (und Mutter von Jonas), Marco, der Lehrer, dessen Lehrmethoden niemandem gefallen, und Marie, die Grenzgängerin, die als Kassiererin arbeitet und es mit den kleinen Alten zu gut meint. Nach dem Erfolg einer ersten gemeinsamen Aktion - sie verhindern die Ausdehnung der Grundstuckspekulation in ihren Lebensraum - wollen sie, vor allem Mathieu, selbst ganz neu anfangen, mit einer eigenen Schule für die Kinder. Doch die Wirklichkeit holt sie ein. Das Experiment missglückt, aber Mathieu mindestens weiss, dass sich die neue Generation nicht wird betrügen lassen.

P: Action Films, Paris, Citel, Genf, Société française de Productions, 1976; B: Tanner und John Berger; R: Alain Tanner; K: Renato Berta; T: Pierre Gamet; S: Brigitte Sousselier; M: Jean Marie Senia; D: Jean Luc Bideau (Max), Myriam Meziere (Madeleine), Rufus (Mathieu), Myriam Boyer (Mathilde), Roger Jendly (Marcel), Dominique Labourier (Marguerite), Jacques Denis (Marco), Miou-Miou (Marie) u.v.a.m.; 35 mm, Farbe und s/w, 110’

CLAUDE GORETTA

Le fou

Der Lagerchef Georges Plond, nach einer Herzattacke vorzeitig pensioniert, verliert sein Geld, das er einer Investment Firma anvertraut hat, und rächt sich an der Gesellschaft mit immer dreisteren Diebstählen, von denen er aber nicht profitiert. Er isoliert sich immer mehr, wird schliesslich von Polizisten erschossen, da er selbst beim Einbruch in ein Juweliergeschäft eine Spielzeugpistole in der Hand hält.

P: Goretta mit Groupe 5, 1970; B und R: Claude Goretta; K: Jean Zeller; T: Marcel Sommerer; S: Eliane Heimo; M: Guy Bovet; D: François Simon (Georges Plond), Camille Fournier (seine Frau), Pierre Walker (der Direktor), Jean Claudio (der Agent) u.v.a.m.; 35 mm, s/w, 87’

CLAUDE GORFTTA

L ’Invitation

Remy Placet, der unverhofft viel geerbt hat, lädt seine Bürokollegen zu einem Sommerfest in seine neu erworbene Villa am Stadtrand ein. In der Hitze des strahlenden Nach mittags und unter dem Einfluss der Drinks, die ein geheimnisvoller Kellner mischt, gleiten alle in ihre je eigene Verrücktheit: einer telephoniert ständig mit seiner Frau, eine ältere Dame lässt sich zu einem exotischen Drink verführen, der Bürochef wird jovial, ein jüngerer Angestellter tanzt wie wild und stellt das Verhältnis, das er zu einer Kollegin hat, zur Schau, das Lehrmädchen zieht sich vor aller Augen aus, eine ältere Kollegin lässt sich vom Bürochef beinahe vernaschen. Der Zwischenfall mit dem Striptease und ein kleiner Diebstahl durch einen Herumstreuner lässt die ganze muntere Gesellschaft auffliegen. Der Gastgeber bekommt gar einen ungezielten Schlag ins Gesicht ab. Aber am Montagmorgen ist die Bürowelt wieder in Ordnung. Nur das Lehrmädchen fehlt; es hat den Chef einen Heuchler genannt.

P: Citel, Genf, Planfilm, Paris, 1972; B: Goretta und Michel Viala; R: Claude Goretta; K: Jean Zeller; T: Paul Girard; S: Joelle van Effenterre; Aus: Yanko Hodjis; M: Patrick Moraz; D: Michel Robin (Rémy Placet), François Simon (der Kellner), Roger Jendly (der Landstreicher), Jean-Luc Bideau, Jean Champion, Pierre Collet, Corinne Coderey, Rosine Rochette, Jacques Rispal, Neige Dolski, Cécile Vassort (die Büro“familie”); 35 mm, Farbe, 100’

FREDI M. MURER

Pazifik — oder die Zufriedenen

In einer alten Zürcher Villa mit Garten leben sieben junge Leute um die zwanzig. Murer porträtiert jeden gemäss seinen eigenen Vorstellungen von sich (als Seiltänzer, Todesfahrer, Eremiten usw.) und führt alle bei gemeinsamen Festen und Essen wieder zusammen.

P, B, R, K und S: Fredi M. Murer, 1965; 16 mm, s/w, zum Teil handkoloriert, verseh. Längen, je nach Version

FREDI M. MURER

Chicoree

Poetisches Porträt des Zürcher underground-Poeten Urban Gwerder: seine Gedichte, seine Aktionen und sein Familienleben, geordnet ungeordnet in 11 Fragmenten.

P, B, R, K und S: Fredi M. Murer, 1966; M: Celly Pastorini; 16 mm, Farbe, 27’

FREDI M. MURER

Sad-is-fiction

In bunter Hose und Mütze marschiert der Zürcher Maler Alex Sadkowsky durch die Welt, wenn’s kalt wird, mit Armeewintermantel, spielt mit sich selber und mit anderen, liest seine Texte und antwortet auf Fragen. Oft schleppt er ein riesengrosses “animal metaphysicum” herum. Er zeigt den aufrechten Gang, immer.

P, B und R: Fredi M. Murer, 1969; K: Murer und Fritz E. Maeder; S: Murer und Renzo Schraner; M: Minstrels; 16 mm, Farbe 43’

FREDI M MURER

2069

Dritte Episode von Swissmade (die anderen stammen von Yves Yersin und Fritz E. Maeder). Rund ein Dutzend Unbeugsame haben sich der totalen Verwaltung eines Zukunftsstaates, der der heutigen Schweiz aufs Haar gleicht, entziehen können. Ein extraterrestrisches Wesen interessiert sich vor allem für sie. Als die Angepassten das filmende und tonaufnehmende Wesen gefangennehmen, passiert eine rätselhafte Katastrophe; nur die Aussenseiter retten sich.

P: Yersin, Maeder, Murer, 1969; B, R, K und S: Fredi M. Murer; T: Christian Kurz; homme à tout faire: Benjamin Lehmann; Kostüm des Extraterrestrischen (und seines Hunds): Hans Ruedi Giger; D: Freunde; 35 mm, Farbe, 34’

THOMAS KOERFER

Der Gehülfe

Filmische Lektüre des Romans von Robert Walser; bei aller Sympathie für den sonderlichen Commis Joseph Marti unterschlägt der Film nicht, was der dichtende Angestellte verpasst: die Welt draussen, das reale Leben und die Auflehnung dagegen. “Ein Auszug aus dem schweizerischen täglichen Leben in 60 farbigen Bildern” heisst der Film im Untertitel, der anzeigt, dass Distanz genommen wird, vom Poeten und von der Welt, die einsame Poeten fördert.

P und R: Thomas Koerfer, 1975; B: Koerfer und Dieter Feldhausen; K: Renato Berta; T: Pierre Gamet; S: Georg Janett; Aus: Heidi Lüdi, Sylvia de Stoutz; L: André Pinkus, Benjamin Lehmann; D: Paul Burian (Joseph Marti), Ingold Wildenauer (Carl Tobler, der Erfinder), Verena Buss (Frau Tobler), Wolfram Berger (Wirsich, Martis Vorgänger), Hannelore Hoger (Klara) u.v.a.m.; 35 mm, Farbe, 122’

HEINZ BUTTLER

Melzer

Siehe Index 1983

HANS-ULRICH SCHLUMPF

Armand Schultheis - J’ai le téléphone

Rekonstruktion des Lebens von Armand Schulthess aus den 1973 noch greifbaren Spuren, die der Sonderling in seinem Haus und Revier hinterlassen hat. Der Filmautor verwendet - sich an die Arbeitsweise von A.S. anlehnend - jedes brauchbare Material und bedient sich jeder erreichbaren Technik zur Wiederbelebung einer versunkenen, bzw. verbrannten Welt.

P, B, R und S: Hans-Ulrich Schlumpf, 1974; K (auch Trick): Kurt Aeschbacher; M: Enrico Toselli, ausgeführt von A.S.; 16 mm, Farbe, 55’

WAI TER MARTI, RENI MERTENS

Héritage

Porträt des 75jahrigen Komponisten und Malers Peter Mieg, der im Kanton Aargau zurückgezogen aber komfortabel lebt und sich für den Film, die Um- und die Nachwelt selber inszeniert. Keine Fragen der Filmautoren, auch kein Kommentar interpretieren die eigenartige Existenz des bürgerlichen Künstlers, der weder bessere noch schlechtere Tage gekannt hat. Der Film bewirkt, dass man den Begriff “Erbe” auf die verschiedensten Arten versteht.

P: Teleproduktion, Zurich, 1980; R: Reni Mertens und Walter Marti; K: Urs Thoenen; T: Pierre-Andre Lüthy; S: Edwige Ochsenbein; M: Peter Mieg; 16 mm, Farbe, 60’

ALEXANDER J. SEILER

Ludwig Hohl

“Ein Film in Fragmenten” heisst dieses Porträt im Untertitel. Der Dichter gibt Auskunft auf Fragen und liest aus seinen Texten; der Film holt assoziatives und im Gespräch “angefordertes” Material von aussen in Hohls Arbeitszimmer herein und verknüpft alle Elemente dieser Existenz - Not, Alter, Alkohol, Berg und Bergsteigerei, Hindernis und Ueberwindung - zu einer umfassenden Interpretation des Begriffs “Arbeit”, der gleichbedeutend ist mit Kampf gegen den Tod.

P: Zyklop, Zürich, 1982; B, R und S: Alexander J. Seiler; K: Pio Corradi; T: Florian Eidenbenz, Luc Yersin; M: Beethoven, Streichquartett F-Dur, op. 135; 16 mm, Farbe, 73’

JÜRG HASSLER

Josephsohn - Stein des Anstosses

Geschichte und Gegenwart des Zürcher Bildhauers Hans Josephsohn, der vor der Kamera in seinem Atelier sinniert oder arbeitet oder einfach ist. Der Filmautor arrangiert auch “Lokaltermine” auf dem Lebensweg des Unbeugsamen, auf dem Lebensweg, der lange Zeit ein Flucht- und Leidensweg war. Doch immer wieder kommt der Film zurück auf die unbeirrbare Arbeit Josephsohns, auf seine Selbstverwirklichung, aus der die letzten Reste von Entfremdung - die Hassler unter anderem auch mit einer Fernseh-Konsumparade ironisiert - verschwunden sind.

P, R, K, T und S: Jürg Hassler, 1977; einmalige Mitarbeit; Werner Zuber (K) und Samuel Müri (T); 16 mm, Farbe, 95’

V Der Fremde als Identifikationsfigur

ALEXANDER J. SEILER, JUNE KOVACH, ROB GNANT

Siamo italiani

60 Tiefeninterviews mit Arbeitern und Arbeiterinnen aus den verschiedensten italienischen Provinzen und über 15 Stunden Filmaufnahmen aus dem Gebiet des Basler Birseck, vom Grenzübergang in Chiasso, aus der Stadt Basel haben die drei Autoren in über sechsmonatiger Montagezeit zu einem - gemessen am Material - ausserordentlich dichten und rhythmisch strukturierten Film kondensiert, der der Versuch ist, herkömmliche dokumentarische Techniken und “cinéma vérité” zu verschmelzen. Der Alltag italienischer Arbeiter in der Schweiz erzählt sich selber; die “Helden” bleiben namenlos, aber ab und zu kommen die Erzähler dieses Alltags, die Interviewten, ins Bild, bringen Nähe und auch Rührung in die verhältnismässig distanzierte Notation eines alltäglichen Phänomens, mit dem sich die Schweizer so schwer tun.

P: Seiler und Gnant, 1964; R: Alexander J. Seiler, June Kovach, Rob Gnant; K: Rob Gnant; S: June Kovach; 16/35 mm, s/w, 79’

JEAN-LOUIS ROY

Black-out

Emil und Elise Blummer, ein älteres Ehepaar, schliessen sich in ihrem Haus ein; sie wollen für den nächsten Krieg, der bestimmt kommt, gerüstet sein. Die “survivalists” verlieren aber Stück um Stuck ihrer Solidarität und haben den Krieg mit eingemauert. Sie zerfleischen sich, bis plötzlich ein Kind bei ihnen erscheint, man weiss nicht recht, wie.

P: Panora Films mit Groupe 5, Genf, Condor, Zürich, 1970; B: Roy und Patricia Moraz; R: Jean-Louis Roy; K: Roger Bimpage; T: Luc Perini; S: Françoise Gentet; M: Alphonse Roy; Aus: Gérard Ducimetière; D: Lucie Avenay, Marcel Merminod; 35 mm, Farbe, 90’

ALVARO BIZZARRI

Lo Stagionale

Mit “unprofessionellen” Mitteln (8 mm), aber erstaunlich effektsicher erzählt Bizzarri die Geschichte des Witwers Giuseppe, der seinen Sohn Stefano mit in die Schweiz nimmt, was gegen die gesetzlichen Vorschriften verstösst, und seinen Kampf um das Kind, das er in Italien nicht zu den Nonnen schicken will. Freunde helfen ihm, so gut es geht. Doch Giuseppe will sich nicht verstecken; er beteiligt sich an einer Grossdemonstration gegen das Fremdarbeiterstatut. “Voglio Stare con il mio papa” steht auf dem Plakat Stefanos; der Spielfilm wird hier zum Dokumentarfilm.

P, B, R, K und S: Alvaro Bizzarri, 1972; D: Freunde des Autors; 8/16 mm, s/w, 50’

ROLF LYSSY

Konfrontation

Rekonstruierte und nachgespielte Geschichte des Rabbinersohns David Frankfurter, der sein in Deutschland begonnenes Medizinstudium in Bern weiterführt und sich, beunruhigt, beleidigt, in Panik versetzt durch die Judenverfolgung des Nazi-Regimes, vornimmt, ein Zeichen des Widerstands zu setzen. Er erschiesst am 4. Februar 1936 in Davos den Leiter der Landesgruppe Schweiz der NSDAP, Wilhelm Gustloff. Ein Schweizer Gericht verurteilt Frankfurter zu 18 Jahren Zuchthaus. - Am Schluss des Films äus- sert sich in Tel-Aviv der 65jährige Attentäter zu seiner Tat. Er bereut nicht.

P, B, R: Rolf Lyssy, 1974; B-Mitarbeit und S: Georg Janett; K: Fritz E. Maeder; T: Hans Künzi; Aus: Edith Peier, Sylvia de Stoutz; D: Peter Bollag (David Frankfurter), Gert Haucke (Gustloff), Hilde Ziegler, Wolfram Berger (Kollegen Frankfurters), Max Knapp (Gerichtspräsident) u.v.a.m.; 35 mm, s/w, 114’

ROLF LYSSY

Die Schweizermacher

Zwei Einbürgerungsbeamte der Polizei, Max Bodmer und Moritz Fischer, schnüffeln im Auftrag der Einbürgerungskommission im Leben von Ausländern, die Schweizer werden wollen: der Italienerfamilie Grimolli, die Wilhelm Teil verehrt wie kein waschechter Schweizer, des Arztehepaars Starke, das bis zum Bestechungsversuch geht, und der jugoslawischen Tänzerin Milena Vakulic, die schliesslich auf die zweifelhafte Ehre verzichtet und verreist, den jüngeren Beamten nach sich ziehend. - Eine handfeste Story, Situationskomik und leicht kabarettistisch agierende Schauspieler haben Die Schweizermacher zum grössten Schweizer Kinoerfolg aller Zeiten werden lassen.

P: T&C Film und Lyssy, Zürich, 1978; B: Lyssy und Christa Maerker; R: Rolf Lyssy; K: Fritz E. Maeder; T: Hans Künzi; S: Georg Janett; M: Jonas Haefeli; Aus: Edith Peier, Greta Röderer; D: Walo Lüönd (Bodmer), Emil Steinberger (Fischer), Beatrice Kessler (Milena Vakulic), Wolfgang Stendar, Hilde Ziegler (Ehepaar Starke), Claudio Caramaschi, Silvia Jost (Ehepaar Grimolli) u.v.a.m.; 35 mm, Farbe, 107’

PETER VON GUNTEN

Die Auslieferung

Der anarchistische russische Student Sergej Njetschajew flüchtet nach einem Attentat in Moskau 1869 in die Schweiz und nimmt hier Kontakt auf mit verschiedenen russischen Exilkreisen, um eine revolutionäre Zelle zu gründen. Doch er wird bespitzelt; die Flucht geht weiter. Als die russische Regierung ein Auslieferungsbegehren an den noch jungen Bundesstaat stellt, schlägt die Falle zu: Njetschajew wird verhaftet und in einem plombierten Waggon ostwärts verfrachtet. Die Schweiz kann einen Handelsvertrag mit dem zaristischen Russland unterzeichnen. - Die Auslieferung ist der erste Deutschschweizer Spielfilm nach “Genfer Muster” und, nicht nur so betrachtet, ein erstaunlich reifer Film.

P: Cinov, Bern, 1974; B, R und S: Peter von Gunten; K: Fritz E. Maeder; T: Jean-Daniel Bloesch; M: Josef Ivanovici; Aus: Agathe Bagnoud, Margrit Schumpf; D: Roger Jendly (Njetschajew), Anne Wiazemsky (Nathalie Herzen); Bernhard Arcynski, Urs Bihler, Gilbert Costa, Gérard Despierre, Pierre Holdener, Klaus Leonhard (Exilrussen), Silvia Jost, Alex Freihart (Polizeichef) u.v.a.m.; 16/35 mm, s/w, 90’

ALAIN TANNER

Le milieu du monde

Adriana, die italienische Fremdarbeiterin, deren Mann bei einem Arbeitsunfall umgekommen ist, arbeitet im Cafe des Fleckens Moruz. Paul, 34jähriger Ingenieur und etwas oberhalb von Moruz wohnend, Grossratskandidat einer bürgerlichen Fortschrittspartei, verliebt sich in die Fremde, trifft sich mit ihr immer häufiger in einer Gegend, die man die “Mitte der Welt” nennt. Doch er verliert seine Mitte, schleudert und versucht sich mit Pläneschmieden zu retten; die Pläne zielen allesamt auf eine Veränderung der Geliebten, die sich langsam von Paul distanziert. Paul verliert die Wahl, seine Frau verlässt ihn, und Adriana zieht ein einsames Leben in irgendeiner Deutschschweizer Schlafstadt dem falschen und entfremdenden Komfort, den Paul ihr anbietet, vor. - Mit allen Mitteln der Distanzierung - Kommentar, Zwischentitel, autonome Zwischeneinstellungen - erzählt Tanner die sinnlichste Geschichte, die er je erfunden hat.

P: Action, Paris, Citel, Genf, 1974; B: Tanner und John Berger; R: Alain Tanner; K: Renato Berta; T: Pierre Gamet; S: Brigitte Sousselier; M: Patrick Moraz; D: Olimpia Carlisi (Adriana), Philippe Léotard (Paul), Juliet Berto (Kollegin von Adriana) u.a.m.; 35 mm, Farbe, 120’

GERTRUD PINKUS

II valore della donna è il suo silenzio

Ausgehend von einem authentischen Fall rekonstruiert Gertrud Pinkus das allmähliche vollständige Verstummen, die psychische Erkrankung der Mana M., die nur in der Off-Erzählung gegenwärtig ist und sich im Bild von einer Laiendarstellerin vertreten lässt. Szenen aus dem Heimatdorf der Maria M. im südlichsten Italien geben Aufschluss über die Gründe ihres “Versagens” im Norden (Frankfurt a.M.); Beschreibungen ihrer neuen Umgebung bestätigen oder kommentieren ihre Geschichte, die mit einem Selbstmordversuch endet. “Ist das das ganze Leben? Lohnt sich das?” fragt sie, aber der Film endet nicht auf diesem pessimistischen Ton. Im letzten Teil diskutieren Frauen, was zu tun bleibt...

P: Pinkus und Filmkollektiv, Zürich, 1980; B, R und S: Gertrud Pinkus; K: Elio Bisignani, Hans Stürm, Pinkus; T: Margrit Eschenbach, Josef Dillinger; M: Otto Beatus; Aus: Antonella Stillitano; D: Anna Monferdin (Maria M.) und viele andere Laiendarsteller; 16 mm, Farbe und s/w, 90’

NINO JACUSSO

Emigrazione/Ritorno a casa

In zwei Filmen von insgesamt über drei Stunden Dauer berichtet Nino Jacusso von den letzten Monaten der Emigration seiner Eltern, ihrer Rückfahrt und von der ersten Zeit in der alten neuen Heimat. Es ist der Bericht über eine doppelte Entfremdung, über eine erworbene Heimatlosigkeit. Im ersten Teil sucht der Sohn die Stationen der Emigration seiner Eltern auf, erkundigt sich bei Schweizern über ihre Eindrücke von ihnen, zeigt sie schliesslich bei ihrer täglichen Arbeit, der einigermassen gelösten des Vaters und der Stressarbeit der Mutter. Im zweiten Teil, in seinem eigenen Heimatort, erkundigt sich Jacusso nach den vielfältigen Gründen der Emigration und schaut sich in seiner Realität um, die nicht mehr viel mit den früheren Erzählungen der Eltern zu schaffen hat. Vor allem interessiert er sich für die wirtschaftspolitischen Massnahmen gegen die Emigration und die Vorstellungen der jungen Generation, ihre Wünsche und Pläne. Es gibt etliche “grenzüberschreitende” Schweizer Filme zum Thema: II treno rosso von Peter Ammann, Buseto von Remo Legnazzi, II valore della donna ... von Gertrud Pinkus, Unsere Eltern haben den Ausweis C von Eduard Winiger. Die Filme von Jacusso sind - den Vorgaben gemäss - die spontansten.

P: HHF, München, 1979; R, T und S: Nino Jacusso; K: Thorsten Näter; 16mm, s/w, 90’

EDUARD WINIGER

Unsere Eltern haben den Ausweis C

Siehe Index 1983

VI Männersache

STEFF GRUBER

Moon in Taurus

Steif (der Filmautor selbst) kehrt nach fünf Jahren in die amerikanische Stadt zurück, in der er Wanda kennengelernt hatte, die ihm dann auch in die Schweiz gefolgt ist, und die ihn eines Tages ziemlich abrupt, jedenfalls ohne Anästhesie verliess. Jetzt will er wirklich wissen warum. Er nimmt Kontakt auf mit Wanda, die inzwischen mit Jack verheiratet war und jetzt geschieden ist. Die beiden ehemaligen Verliebten kommen sich auch jetzt im Gespräch nicht näher. Steff reagiert zum Teil ungeduldig, zum Teil verständig, aber handkehrum auch wieder vorwurfsvoll. Zumal Jack mit Wanda offenbar eine ähnliche Geschichte erlebt wie er vor fünf Jahren. Zunächst bietet er sich noch als Vermittler an, lässt dann aber ab davon. - Ein ethnographischer Film, der den Stand von Emanzipation und Rollenverhalten, europäisch-amerikanisch, in seiner Entstehungszeit 1978-80 präzis wiedergibt.

P: AliveFilm, Zürich, 1980; P, R und S: Steff Gruber; K: Andy Humphreys; T: Jim Hawkins; M: Ruedi Burkhalter; D: Wanda Linn Wester, Jack Wright, Bonnie T., Steff Gruber (alle als sie selbst); 16/35 mm, FARBE, 96’

ALAIN TANNER

La Salamandre

Pierre, ein Journalist, und Paul, ein Poet, übernehmen vom Fernsehen einen Drehbuchauftrag: Es geht um die Geschichte von Rosemonde, die eines Tages die Ordonnanzwaffe auf ihren Onkel gerichtet hat und vom Gericht mangels Beweisen freigesprochen worden ist. Als sie Rosemonde, dem Sala mander, in Fleisch und Blut begegnen, gerät das Drehbuch langsam in Vergessenheit. Was zahlt, ist ein Geben und Nehmen. Rosemonde lebt den beiden Federfuchsern Freiheit und Auflehnung vor; Pierre und Paul lehren sie, die Feinde auch richtig zu erkennen.

P: Svociné, Tanner, 1971; B: Tanner und John Berger; R: Alain Tanner; K: Renato Berta; T: Marcel Sommerer; S: Brigitte Sousselier; M: Patrick Moraz; D: Bulle Ogier (Rosemonde), Jean-Luc Bideau (Pierre), Jacques Denis (Paul) Véronique Alain (Pierres Freundin), Marblum Jéquier (Pauls Frau) u.v.a.m.; 16/35 mm, s/w, 123’

ALAIN TANNER

Dans la ville blanche

Siehe Index 1983

HANS-ULRICH SCHLUMPF

Trans Atlantique

Siehe Index 1983

MICHEL SOUTTER

Les Arpenteurs

Rund ein Dutzend Figuren bekommen es ganz zufällig miteinander zu tun: Der grosse Landvermesser, der mit dem kleinen unterwegs ist und ihn sitzen lässt, trifft auf Lucien, der ihn bittet, einen Korb mit Gemüse bei Alice, die er heimlich liebt, abzugeben. Aber Alice ist weg, und Léon trifft auf eine “Vagabundin”, mit der er in Alices Wohnung schlaft. Ein Zusammentreffen mit Alice wird gestört, weil ihr cellospielender Freund eintrifft, und überhaupt weiss Leon nicht, ob er etwas Verbotenes, ja Strafbares getan hat. Schliesslich gelingt die Begegnung doch, sie bleibt einmalig, denn als Leon wiederkommt, ist auch die “Vagabundin” da und weist ihm, auch im Auftrag von Alice, die Tür. Er entfernt sich schimpfend, drohend, tiefbeleidigt.

P: Soutter mit Groupe 5, 1972; B und R: Michel Soutter; K: Simon Edelstein; T: Marcel Sommerer; S: Joelle van Effenterre; M: Brahms und Schubert; D: Marie Dubois (Alice), Jean-Luc Bideau (Leon), Jacques Denis (Lucien), Michel Cassagne (der kleine Landvermesser), Jacqueline Moore (die Fremde) u.a.m.; 16/35 mm, s/w, 80’

MICHEL SOUTTER

L ’Escapa.de

Paul, ein junger Forscher, begibt sich eine Woche zu früh an eine Tagung von jungen Forschern. Im Dorf begegnet er Virginie, die eben von ihrem Freund Auguste, einem Schriftsteller in Krise, vor die Tür gesetzt worden ist; sie bleiben eine Nacht zusammen und gehen zusammen auch nach Genf, wo Paul Virginie seiner Frau Anne vorstellt. Virginie lernt, wenn Paul und Anne an der Arbeit sind, ihren Freund Ferdinand kennen und hält ihm an seinem 40. Geburtstag, als Paul nun wirklich ans Seminar muss, Anne zu. Sie selbst kehrt zu Auguste zurück. Am Schluss erwartet Anne vielleicht ein Kind, von Paul oder vielleicht von Ferdinand.

P: Citel, Genf, Planfilm, Paris, 1973; B und R: Michel Soutter; K: Simon Edelstein; T: Marcel Sommerer; S: Joelle van Effenterre; M: Guy Bovet; D: Philippe Clevenot (Paul), Marie Dubois (Anne), Antoinette Moya (Virginie), Georges Wod (Auguste), Jean- Louis Trintigant (Ferdinand) u.a.m.; 35 mm, Farbe, 90’

MICHEL SOUTTER

L’amour des femmes

Drei Männer: Philippe, ein Journalist, Bruno, ein Architekt, und sein Assistent Paul, alle in der Krise ihrer Beziehungen, reisen zu einem Fussballspiel nach Basel, das von einem Bekannten von Bruno arbitriert wird: Manfred. Dieser, selbst ein “paumé”, gibt ihnen wenigstens einen Rat mit auf den Heimweg. Auf der Rückreise nehmen sich alle etwas vor.

P: Film & Video Productions, Lausanne, LPA, Paris, 1981; B und R: Michel Soutter; K: Hans Liechti; T: René Sutterlin; S: Nicole Lubtchansky; M: Patrick Jouvet; D: Pierre Clémenti (Philippe), Jean-Marc Bory (Bruno), Jean-Pierre Malo (sein Assistent), Heinz Bennent (Manfred) Aurore Clement, Séverine Bujard, Anne Lonnberg, Hilde Ziegler (die Frauen) ; 16/35 mm, Farbe, 91’

FRANCIS REUSSER

Le grand Soir

Léon nennt sich einen Schauspieler; er probiert Rollen an wie Kleider. Zur Zeit ist er Nachtwächter. In dieser Funktion trifft er auf Léa, eine politisch militante junge Frau, die er mit unkonventionellen, anarchistischen Fragen, aber auch mit historischen Reminiszenzen, mit vitalistischen Aperçus her ausfordert. Den Genossen Léas, die die Gewalt predigen, verschafft er Waffen, nachdem er schon die Druckmaschine bezahlt hat. Die Polizei schlagt zu; Léon wird in Gewahrsam genommen. Wenn er wieder auf freiem Fuss ist, wird er dafür sorgen, dass er für niemanden - äusser für eine entschiedene und eine entschlossen leidenschaftliche Lea- erreichbar und vereinnehmbar sein wird.

P: Artcofilm, Genf, 1976; B: Reusser, Patricia Moraz und Jacques Baynac; R: Francis Reusser; K: Renato Berta; T: Luc Yersin; S: Edwige Ochsenbein; D: Jacqueline Parent (Léa), Niels Arestrup (Leon) u.a.m. ; 16/35 mm, Farbe, 90’

FRANCIS REUSSER

Seuls

Jean findet in einem Fotoautomaten Bilder einer jungen Frau, die ihn an die früh verlorene Mutter erinnern. Erregt braust er los, sucht die einzigen Verwandten auf, die er hat. Auf der Suche nach dem Bild der Mutter begegnet er einem Maler und seiner Frau, zwei Desillusionierten, die das Leben nicht mehr wagen. Schliesslich findet er Carole, die junge Frau, die nun alles wird; Geliebte, Gegenbild der Mutter, Ebenbild einer Jugendliebe. Immer wieder wendet sie sich von ihm ab. Jean, in immer grösserer Verwirrung, verbringt eine Nacht mit dem Transvestiten, den der Händler des Malers mit zu einer Inselparty gebracht hat. Unbefriedigt, nicht erlösbar, wie er ist, flüchtet Jean einmal mehr; er lässt auf einer schnurgerade gegen die Berge führenden Strasse einen Jungen — sich als Kind - zusteigen. - Seals kann nicht so nacherzählt werden, wie es hier - wider besseres Wissens - geschehen ist. Denn der Film ist ganz und gar Projektion einer Innerlichkeit in Aufruhr, ein poetisch-psychologischer Film, dem man mit konventionellen realistischen Kriterien nicht beikommt. Seals ist einer der schönsten, aber auch “schwierigsten” Filme, die je in der Schweiz hergestellt worden sind.

P: Artco, Genf, Sagittaire, Vevey, 1981; B: Reusser und Christiane Grimm, R und S: Francis Reusser; K: Renato Berta; T: Luc Yersin; M: Michael Galasso; Aus: Christiane Grimm; D: Niels Arestrup (Jean), Christine Boisson (Carole), Michael Lonsdale, Bulle Ogier (der Maler und seine Frau), Olimpia Carlisi (Transvestit) u.v.a.m ; 35 mm, Farbe, 100’

SIMON EDELSTEIN

Les vilaines manieres

Jean-Pierre Bouttier, Radiomitarbeiter mit einer wöchentlichen Sendung für einsame Herzen, geht auf den Wunsch einer seiner “Klientinnen” ein und besucht sie: Marie, eine kleine, einfache, etwas scheue, unscheinbare Frau. Noch im Treppenhaus trifft er auf ein Gegenteil: Jeanne, aufregend, verführerisch; mit ihr macht er sich auf und davon, einen Tag, eine Nacht lang; sie stehlen ein schnelles Motorboot, brechen in eine Villa ein. Im zynischen Uebermut lädt Bouttier das “einsame Herz” seiner Sendung ein und spielt mit Jeanne eine Ehekomödie vor. Am Montagmorgen ist der Spuk vorbei. Abgeschminkt, gehen alle an die Arbeit.

P: Planfilm, Paris, Citel, Genf, 1973; B und R: Simon Edelstein; K: Renato Berta; T: Jen Grigiom; S: Brigitte Sousselier; M: Patrick Moraz; D: Jean-Luc Bideau, Francine Racette (Jeanne;, Claire Dominique (Marie) ; 16/35 mm, s/w, 80’

PATRICIA MORAZ

Les Indiens sonst encore loin

Jenny Kern und Lise, ihre Freundin, sind Gymnasiastinnen, gehören zur Bande von Mathieu und Guillaume, die ein wenig älter sind und einen “historischen Moment”, Mai 1968, miterlebt haben, jetzt aber im Orakeln und Spintisieren verkommen sind. Für Jenny, die bei der Grossmutter wohnt, sind sie kein Halt. In der Schule lesen sie “Tomo Kröger” von Thomas Mann; zudem stösst Jenny bei der Vorbereitung eines Vortrags auf die Indianerbilder von Lévy-Strauss. Lise vermutet, sie sei schwanger, und schickt Jenny zum Arzt für den Test. Die Verunsicherungen Jennys verketten sich, die Verwirrung wird immer unheilbarer. Eines Tages findet man sie erfroren im Schnee, gestorben “an Kälte und Erschöpfung”.

P: Filmkollektiv, Zürich, Les Films 2001, Paris, 1977; B und R: Patricia Moraz; K: Renato Berta; T: Luc Yersin; S: Thierry Derocles; D: Isabelle Huppert (Jenny), Christine Pascal (Lise), Mathieu Carrière (Mathieu), Chil Boiscuille (Guillaume) u.a.m. ; 35 mm, Farbe, 95’

YVES YERSIN

Angèle

Angèle Grammont, 75jährig, mittellose Witwe eines Franzosen, kommt nach Lausanne, wo sie armengenössig ist. Sie wird ins Altersheim von Apples eingewiesen, 60 Kilometer von der Stadt entfernt, und gerät sofort in Konflikt mit dem Hausreglement und den anderen Insassen; sie sucht in Lausanne alte Bekannte, ohne Erfolg, aber sie wird nicht aufgeben, wird weiterhin unterwegs und nie gefügig sein.

P: Milos Film, Les Verrières, 1968 (vierter Teil von Quatre d’entre elles); B und R: Yves Yersin; K: Renato Berta und Erwin Huppert; T: Marcel Sommerer; M: Alfred Thillard; D: Angèle Grammont, Laien und in kleinen Rollen professionelle Darsteller; 16 mm, s/w, 40’

MARCEL SCHUPBACH

L’allégement

Siehe Index 1983

BRUNO MOLL

Das ganze Leben

Siehe Index 1983

VII Das Gewissen der Nation

HENRY BRANDT

La Suisse s’interroge

Die Schweiz ist schön (touristische Bilder); Probleme (Fremdarbeiter, Alte, Wohnungsnot, Inflation); der Weg zum Glück (Konsumglück einer Durchschnittsfamilie); Wachstum (Bevölkerungsexplosion, Umweltverschmutzung, inklusive Verbetonisierung); dein Land gehört zur Welt (Collage internationaler und schweizerischer Aktualitätenaufnahmen).

P: Exposition nationale 1964; B, R, K, T und S: Henry Brandt; M: Julien-Francois Zbinden; 35 mm, Farbe und s/w, ca. 15’

HENRY BRANDT

Quand nous étions petits enfants

Der Dorfschullehrer Charles Guyot in dem Weiler les Taillères im Vallée de la Brévine, seine Schüler, ihre Eltern und Grosseltern und deren Arbeit, die Jahreszeiten, die die Landschaft verändern, die Auseinandersetzung des zaghaften Neuen mit dem noch starken Alten. - Ein Vorläuferfilm, der viel ausgelöst hat.

P: Brandt und Société pédagogique neuchâteloise, 1961; B, R, K, T und S: Henry Brandt; M: René Gerber; 16 mm, s/w, 90’

WALTER MARTI, RENI MERTENS

Ursula oder Das unwerte Leben

Mit einer Geduld, die Mass nahm an jener der Heilpädagogin Mimi Scheiblauer, haben die Filmautoren die beschwerlichen Lernprozesse des taubblinden Kindes Ursula aufgezeichnet. Über lange, sehr lange Zeit. Es ist eine Art naturalistischer Film, aber auch ein ideologischer, didaktischer. Er behauptet nichts weniger, als dass Erziehung und Betreuung immer einen Effekt haben werden. Der Film ist eine Art Pilotwerk des neuen Schweizer Dokumentarfilms geworden, ein Prüfstein auch für alle, die dokumentarische Filme machen wollten. - Bis heute ist Ursula der erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm geblieben, nicht nur im Inland.

P: Teleproduktion, Zürich, 1966; B und R: Reni Mertens und Walter Marti; K: Hans- Peter Roth, Rolf Lyssy; wiss. Mitarbeit: Mimi Scheiblauer; Sprecherin: Helene Weigel; 16/35 mm, s/w, 88’

KURT GLOOR

Die Landschaftsgärtner

Mit aggressiver Schärfe und beissender Ironie räumt Kurt Gloor auf mit den Bilderbuchvorstellungen von der schweizerischen Bergbevölkerung. Er entdeckt in den Alpen die Dritte Welt und jene Armut, die in anderen Ländern sich in den grosstädtischen Slums zeigt. Seine Beobachtungen unterstreicht der Filmautor mit Zitaten aus wissenschaftlichen Untersuchungen und aus politischen Kampfschriften (Che Guevara z.B.). Der Film könnte unter einem Frantz Fanon-Satz stehen: “Wer nur zuschaut, ist ein Verräter.”

P, B, R, K und S: Kurt Gloor, 1969; R-Ass. und T: Peter von Gunten; M: Richard Strauss; 16 mm, Farbe und s/w, 34’

KURT GLOOR

Die grünen Kinder

Grossangelegte Untersuchung über das “Wohnen im Grünen”, genauer in der Schlafsiedlung Volketswil bei Zürich. Demonstrativ macht Gloor den Zusammenhang zwischen Massenwohnung und Vermassung klar. Er beweist die kalte Berechnung der Planer, die Unfähigkeit der Bewohner, mit ihrer Situation umzugehen, die Bereicherung auf der einen und die geistig kulturelle Verarmung auf der anderen Seite.

P, B, R, K und S: Kurt Gloor, 1971; T: Reto Zellweger; wiss. Mitarbeiter: Mario Erdheim; Mitarbeit am Kommentar: Sil Schmid; 16 mm, s/w, 80’

JÜRG HASSLER

Krawall

Aus nächster Nähe gesehene “Jugendunruhen”, die mehr waren als das, und von bürgerlichen Seite dennoch “Krawalle” genannt wurden, im heissen Zürcher Sommer 1968. Befragung jener, die die bürgerlichen Medien “Drahtzieher” nannten, auch der Rocker, die sich den mehr “Politischen” angeschlossen hatten und ihren Zorn und ihre Wut direkter formulierten. Dokumentation aber auch des raffinierten Spiels der Medien, in denen sich die Politiker produzierten. Der Filmautor schreckt nicht vor dem Vorwurf der Lüge zurück. Die liberalen Intellektuellen werden der Feigheit angeklagt. Die “junge Linke” dagegen erscheint am Schluss des Films, der 1970 die Gemüter erregte, als entschlossene Front, die die Forderungen von 1968 durchsetzen wird. - Insgesamt wohl der gelungenste schweizerische Agitationsfilm, vor allem, weil das filmische Material brillant behandelt wird, mit einer Phantasie, die anderen Flugblattfilmen oft abging.

P, R und T: Jürg Hassler, 1970; K: Eduard Winiger; 16 mm, s/w, 66’

RICHARD DINDO

Naive Maler in der Ostschweiz

Eine Milieustudie, keine Abhandlung über naive Kunst. Die Bedingungen, unter welchen die Frauen und Männer malen, ihr Ausweichen aus industriellen Arbeitsvorgängen in handwerkliche, die jedoch ohne “Vermittler” (Händler) ökonomisch nicht funktionieren kann. “Das vielleicht wichtigste Ziel war: den Leuten das Wort zu geben... Die meisten Leute haben etwas zu sagen, wenn man ihnen zuhört.” (Dindo)

P, B, R und S: Richard Dindo, 1973; K: Otmar Schmid; T: R. Baur, Uli Meier, Reto A. Savoldelli; 16 mm, Farbe, 62’

ROMAN HÖLLENSTEIN

Freut euch des Lebens

Drei Behinderte, Walter H. und Hans Sch., beide Epileptiker, und Reto “Mike” S., körperbehindert und bevormundet, stellen sich vor. Der Filmemacher spricht keine Theorie in ihr Leben hinein, sondern stellt es, quasi von innen heraus, dar: die tägliche Realität der Behinderung, die Versuche, sich aus den Bedingungen der Behinderungen zu befreien. Der Filmautor tut also genau das, was die “normale” Umwelt nie tut: er beugt sich der Persönlichkeit seiner Darsteller.

P, B, R: Roman Höllenstein, 1973; K: Otmar Schmid; T: Robert Boner; S: Georg Janett; wiss. Beratung; B. Rothschild, H. P. Meyer, Pat Kustenaar; 16 mm, Farbe, 82’

ROMAN HÖLLENSTEIN

Je Ka Mi oder Dem Glück stammt ganz von dieser Welt

Der Film untersucht die verschiedensten Formen organisierter Freizeitbeschäftigung, körperlicher Ertüchtigung und gesunder Erholung, und er findet hinter fast allen organisierten Angeboten die totalitäre, messianische Ideologie, bei der Freikörperkultur, bei der “Volksolympiade”, in Fitness-Folterkammern, in Büros und Fabrikhallen, in denen “Entspannungsübungen” durchgeführt werden. Schliesslich behauptet der Film nichts anderes als, dass das alles eher Todesals Lebensprogramm ist.

P: Höllenstein und Filmkollektiv, 1978; B und R: Roman Höllenstein, S und Fertigstellung; Georg Janett, Rainer Trinkler; K: Otmar Schmid, Edwin Horak, Hans Liechti; T: Hans Künzi, Robert Boner, Mathias Knauer; 16 mm, Farbe, 95’

JUNE KOVACH

Wer einmal lügt oder Viktor und die Erziehung

Der 24jährige Viktor erzählt sein verpfuschtes Leben, eine nicht abbrechende Reihe von Erziehungsversuchen. Der Film zweigt ab, stellt die Umstände im Bild dar, zeichnet die Aeusserungen von Menschen, die an dem Lebensweg gestanden haben und stehen, auf, schwenkt wieder auf die Erzählung der Hauptfigur ein und vergleicht seine Schilderungen mit den Akten. June Kovach wählt nicht das Nebeneinander der Zeugnisse, sondern das Lieber- und Ineinander, und erzielt so eine im modernen Dokumentarfilm aussergewöhnliche Dichte, die die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Zuschauers verlangt.

P: Nemo Film, Zürich, 1974; B: Kovach und A. J. Seiler; R und S: June Kovach; K: Sebastian Schroeder; Mitarbeit: H. U. Jordi, Iwan P. Schumacher; 16 mm, Farbe, 68’

KOLLEKTIV

Ein Streik ist keine Sonntagsschule

Hans und Nina Stürm, Mathias Knauer und weitere Filmarbeiter des Filmkollektivs haben den Vorschlag der streikenden Belegschaft der Bieler Pianofabrik Burger und Jacobi angenommen und sich als filmische Vermittler zur Verfügung gestellt. Es sind ausnahmslos die Streikenden selber, die sich äussern zu ihren Zielen, über ihre Schwierigkeiten, kritisch und selbstkritisch. Die Filmemacher bringen das Ereignis, das sie wochenlang von nah verfolgen, lediglich in eine überzeugende filmische Form, die die Agitation der Sanftmut (die leider oft nicht viel einbringt) kongenial vermittelt. Erstmals wurde eine solche Arbeit von einer Gewerkschaft finanziell unterstützt.

P: Hans Stürm mit Unterstützung der Gewerkschaft Bau und Holz, 1973/74; R und S: H. und Nina Stürm, Mathias Knauer; K: Hansueli Schenkel, H. Stürm; T: Knauer; M: Richard Hager, Knauer; 16 mm, Farbe, 55’

KOLLEKTIV

Lieber Herr Doktor

Im Rahmen der Diskussion über den straffreien Schwangerschaftsabbruch (Fristenlösung) entstandener Kollektivfilm. Ausgangspunkt der Filmarbeit war ein in Realzeit gefilmter Abbruch (Absaugmethode). Darum herum gliedern sich Diskussionen in kleineren (informierten) und grösseren (zu informierenden) Kreisen, sowie Zeugenaussagen von betroffenen Frauen.

P: Filmgruppe Schwangerschaftsabbruch, 1977; R: Hans

Martin Schaub
*1937, gestorben 2003. Martin Schaub absolvierte an der Universität Zürich ein Germanistikstudium, das er mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Von 1963 bis 1968 war er Lokal- und Auslandsredaktor bei der Neuen Zürcher Zeitung. Von 1968 bis 1983 leitete er die Filmberichterstattung beim Tages-Anzeiger. Schaub gehörte zu den Gründern des Tages-Anzeiger-Magazins, für das er jahrelang Beiträge schrieb. Von 1974 bis 1986 Herausgeber des CINEMA.
(Stand: 2019)
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