SIMON MEIER

NORTHMEN — A VIKING SAGA (CLAUDIO FÄH)

SELECTION CINEMA

Frühes Mittelalter: Eine Gruppe plündernder Wikinger unter der Führung von Asbjörn ( Tom Hopper) ist vom eigenen machthungrigen König verbannt worden. Um sich aus dem erzwungenen Exil zu befreien, planen sie das Kloster Lindisfarne mit seinen legendären Reichtümern zu überfallen. Auf dem Weg zur Nordostküste Grossbritanniens erleiden sie jedoch Schiffbruch und landen auf unbekanntem Gebiet. Nun müssen sie versuchen, sich möglichst unbemerkt durch das Hochland nach Danelag, der nächsten Wikingersiedlung, durchzuschlagen. Kaum sind sie aufgebrochen, werden sie aber auch schon von schottischen Kriegern attackiert, und ihnen fällt Inghean, die Tochter von König Dunchaid, in die Hände. Mit einem Lösegeld könnten sich die Wikinger von ihrer Verbannung freikaufen. Doch Dunchaid hat schon seine schrecklichsten Krieger, das «Wolfsrudel» ausgesandt, um seine geliebte Tochter zurückzugewinnen.

Northmen ist nicht eigentlich ein Historienfilm, sondern primär eine lange Verfolgungsjagd: Die Wikinger werden von ihren Verfolgern quer durch das schottische Hochland gejagt. Die Feinde immer im Nacken, müssen sich die heimatlosen Gefährten einer Vielzahl von Kämpfen und Hindernissen stellen. Zu Hilfe kommt ihnen dabei ein mysteriöser, erstaunlich kampfstarker Mönch, der wegen eines anfänglichen Gefallens ihnen gegenüber selbst zum Gejagten der «Wölfe» wird. Die Prinzessin wiederum, die gegen ihren Willen hätte verheiratet werden sollen, sympathisiert mit ihren Entführern und entpuppt sich als eine Seherin, die das erneute Aufeinandertreffen mit den Häschern in aufblitzenden Visionen vorhersieht. Dennoch verkleinert sich die Schar der Wikinger zusehends, da trotz hinterlistig aufgestellter Fallen fortwährend Körper aufgespiesst, zerhackt oder zertrümmert werden.

Kinematografisch beeindruckt Northmen mit spektakulären Landschaftsaufnahmen: Der Film wurde in den unberührten Steppen und Berghängen Südafrikas realisiert, die mittels zahlreicher Luftaufnahmen und Kamerafahrten effektvoll in Szene gesetzt werden. Landen die Wikinger zu Beginn an einem stürmischen, zerklüfteten Strand, so müssen sie sich später durch weitschweifige Wälder, Schluchten, Talengen oder über Berghänge kämpfen. Die eigentlichen Feinde bleiben aber die Häscher des schottischen Königs. Deren beide Anführer, der unerbittliche Berserker Hjorr (Ed Skrein) und sein etwas klügerer Bruder Bovarr (Anatole Taubman), überbieten sich gegenseitig zunehmend in Grausamkeit, die augenfällig inszeniert wird, sind am Schluss aber doch nicht gegen die Beharrlichkeit und Willensstärke von Asbjörn und seinen Wikingern gewappnet. Claudio Fäh, für unterhaltsame B-Movies wie Coronado (2003), Hollow Man II (2006) oder Sniper Reloaded (2011) bekannt, gelingt mit Northmen eine temporeiche Verfolgungsjagd, die keine Minute langweilt.

Simon Meier
*1986, Studium der Ethnologie, Filmwissenschaft und Kunstgeschichte. Längere Sprach- und Forschungsaufenthalte in Louisiana und Neuseeland. Arbeitete von 2007–2013 als Videotheksassistent am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Er lebt in Zürich. Seit 2011 Mitglied der CINEMA-Redaktion. www.palimpsest.ch
(Stand: 2017)
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