CHRISTINA VON LEDEBUR

DEAD FUCKING LAST (WALTER FEISTLE)

SELECTION CINEMA

Die drei Freunde Tom, Andi und Ritzel haben vor zwanzig Jahren das Velokurierunternehmen «Die Genossenschaft» gegründet, das sich in Zürich als Marktführer durchgesetzt hat. Doch die Freunde werden nicht jünger, und ausgerechnet zum Jubiläum kündigt sich ernsthafte Konkurrenz an. Halb staunend, halb bestürzt betrachten Tom, Andi und Ritzel die Plakate, mit denen der neue Velokurierdienst «Girls.Messengers» wirbt: Junge, schöne Frauen flitzen darauf durch die Stadt. Allerdings sind schon bei der ersten Begegnung mit Nina, der Geschäftsführerin von «Girls.Messenger», Toms exzellente Stadtkenntnisse dringend gefragt. Die Begegnung hat auch noch andere Folgen: Tom verguckt sich in Nina und auch Nina scheint Tom nicht abgeneigt zu sein. Vor seinen Kumpels hält Tom seine Liebelei mit der Rivalin allerdings geheim. Es stehen nämlich viele gravierende Probleme an: Die Genossenschafter sind bankrott, und weil ihnen keiner mehr Geld leihen will, holen sie es sich auf illegale Weise bei ihrem ehemaligen Weggefährten Fat Frank, der sich inzwischen als Werber eine goldige Nase verdient hat. Das geht gründlich schief, und bald stehen die drei Altrebellen nicht nur ohne ihre Werkstatt da, sondern auch komplett auf dem Abstellgleis neben der Konkurrenz. Eine kühne Kampagne muss her, mit der es sich Tom allerdings gehörig mit Nina verscherzt. Gibt es für die harten Rivalen ein Happy End?

Der Drehbuchautor und Dramaturg Uwe Lützen hat das Drehbuch zu Dead Fucking Last verfasst. Seine Geschichte ist nicht nur ein humor- und liebevolles Porträt der Zürcher Velokurierszene, sie setzt sich vor allem mit der Frage auseinander, was von den Träumen und Vorstellungen der bewegten 1980er Jahre übrig geblieben ist. Dead Fucking Last – zu Deutsch etwa «die Allerletzten» – ist eine Art Abgesang auf eine Zeit, als Freundschaft weit über Wirtschaftlichkeit gestellt wurde. Denn ganz of­fensichtlich fehlt den drei Inhabern der «Genossenschaft» nicht nur langsam die nötige Muskelkraft, um auf dem Rad mitzuhalten, sondern auch der fachkundige Geschäftssinn, um ihr Unternehmen am Leben zu erhalten. Ihr ehemaliger Kumpel Frank hingegen hat sich längst von den Punk-Idealen losgesagt und kann heute mit links die «Genossenschaft» aufkaufen. Die «Girls.Messenger» frönen sowieso ungeniert dem Kapitalismus. Aller Wehmut und Nostalgie zum Trotz ist Dead Fucking Last kein Drama, sondern bleibt eine Komödie.

Regisseur Walter Feistle, bisher vor allem als Regisseur von TV-Movies und Kurzfilmen tätig, konnte für sein Kinodebüt eine erstklassige Besetzung zusammenstellen: Die drei Freun­de Tom, Andi und Ritzel werden von Michael Neuenschwander, Mike Müller und Markus Merz gespielt, die Chefin der «Girls.Messenger» von Oriane Schrage, der fiese Gegenspieler von Roeland Wiesnekker.

Christina Von Ledebur
*1975, Studium der Romanistik, Anglistik und Filmwissenschaft in Zürich. Film- und Serienredaktorin beim Schweizer Fernsehen.
(Stand: 2017)
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