SIMON MEIER

«SCHRÖDINGERS KATZE UND DIE VIELEN ENDEN VON A SERIOUS MAN»

MOMENTAUFNAHME

In Joel und Ethan Coens A Serious Man spiegelt sich im Ende der Geschichte die Struktur des ganzen Films, der aus vielen, unabgeschlossenen Episoden besteht, die am Punkt der Peripetie abbrechen. Die Konflikte in den Sequenzen drehen sich meist um einen Widerstreit zwischen Glauben und Vernunft, der nicht zu Gunsten einer Seite aufgelöst wird. Das Unklare bzw. die Unlösbarkeit bleibt das Prägende in diesen Konflikten. Der Protagonist leidet nicht an Hybris, vielmehr betont er immer wieder, dass er nichts getan habe. Trotzdem findet er sich in immer neuen Zwickmühlen wieder. Die drei Rabbis, die er besucht, können Larry Gopnik nicht helfen. Sie geben ihm nichtssagende Ratschläge. Auch die Wissenschaft hilft ihm nicht weiter, sondern bestätigt die Unvorhersehbarkeit des Verlaufs der Dinge. So ist auch der Schluss des Films mehr das Ende einer von vielen Episoden als das Ende der Erzählung als Ganzem: eines von den vielen ungelösten Enden von A Serious Man.

Simon Meier
*1986, Studium der Ethnologie, Filmwissenschaft und Kunstgeschichte. Längere Sprach- und Forschungsaufenthalte in Louisiana und Neuseeland. Arbeitete von 2007–2013 als Videotheksassistent am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Er lebt in Zürich. Seit 2011 Mitglied der CINEMA-Redaktion. www.palimpsest.ch
(Stand: 2017)
[© cinemabuch – seit über 60 Jahren mit Beiträgen zum Schweizer Film  ]