ROSE-MARIE SCHNEIDER

SCHREIBEN GEGEN DEN TOD (ROLF LYSSY, CH 2002/09)

MOMENTAUFNAHME

2001. Der Autor gelangt mit einer Filmidee an die Produzentin. Alles ist offen, wir diskutieren, fantasieren, konsolidieren, finanzieren, warten wochenlang auf die Drehgenehmigung. Erste – überwindbare – Einschränkungen. Dann Dreh im Todestrakt, «Polunsky Unit’» in Texas. 8 Jahre später: dasselbe Prozedere, dieses Mal jedoch mit weit reichenden Restriktionen. Keine Finanzierung. Trotzdem brechen wir nicht ab, denn Steven, der Gefangene, kennt sein Todesdatum. Wir filmen ein letztes Interview, eine Woche vor seiner Hinrichtung. Keine geografischen oder politischen, ethnischen oder ideologischen Grenzen, auch keine eigenen Schranken im Kopf, sondern sehr viel fundamentalere Limiten, nämlich die einschneidende Beschränkung eines Mitmenschen, sein Ein- und Ausgesperrtsein. Umso überraschender seine menschliche Wärme, die spirituelle Reife, im Widerspruch zu den 18 Jahren in einer erbärmlichen Zelle. Eine zeitliche Begrenztheit auch: sein Leben dauert noch 8 Tage. Endgültige – unüberwindbare – Einschränkung.

Rose-marie Schneider
*1951, seit 1974 in der unabhängigen Filmproduktion tätig. 1997 gründete sie ihre eigene unabhängige Filmproduktionsfirma Doc Productions GmbH und produziert mit Leidenschaft Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen. Sie arbeitete bisher mit Regisseuren wie Daniel Schmid, Rolf Lyssy, Fredi M. Murer, Léa Pool, Ulrike Koch, Franz Reichle.
(Stand: 2012)
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