DANIELA JANSER

EYES WIDE SHUT (STANLEY KUBRICK, USA 1999)

MOMENTAUFNAHME

Cruise. Kidman. Kubrick. Wie Pistolenschüsse werden im Trailer die drei Namen auf die Zuschauer abgefeuert. Die cinematographische Traumnovelle Eyes Wide Shut ist Kubricks letztes Werk und Cruises Versuch, als Charakterdarsteller zu imponieren. Aber das wahre Wunder dieses Films heisst Nicole Kidman. Gleich zum Anfang durchmisst sie exakt die Differenz von Intimität zur Erotik: Nachdem wir sie nackt und auf der Toilette gesehen haben, sitzt sie in der Schlüsselszene, bekleidet mit nicht ganz blickdichter Unterwäsche, am Heizkörpergitter. Ihr langer Leib bewegt sich in dosiert ausser Kontrolle geratenen Bewegungen. Das Zusammenspiel von Kidmans Körper, Hanro-Leibchen, lasziver Mimik und der brutalen Analyse ihrer Ehe mit bekiffter Stimme formt sie zum eigenmächtigen Objekt der Begierde, wie man es kühner kaum inszenieren könnte. Kidmans bodenloser Schlafzimmerblick durchdringt einen dabei bis ins Innerste. Zusammen mit dem derangierten Ehemann wird das Kinopublikum so auf eine Reise ins Reich des Fantasierens geschickt.

Daniela Janser
geb. 1974, Studium der Anglistik und Germanistik in Zürich. Promotion zur Darstellung von Geiseln und Geiselnahmen in der US- amerikanischen Kulturgeschichte. Arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fotomuseum Winterthur und als freie Kulturjournalistin mit Schwerpunkt Film.
(Stand: 2009)
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