VERONIKA GROB

VERFLIXT VERLIEBT (PETER LUISI)

SELECTION CINEMA

Während Miro und sein Regieassistent François auf die Filmförderung warten, um ihre Produktion fertig stellen zu können, hausen sie im Wald, essen Ravioli aus der Büchse und lassen sich lange Bärte wachsen. Dies ist nur eine der vielen selbstironischen, spitzen Seitenhiebe auf die Schweizer Filmlandschaft in Peter Luisis turbulenter Komödie Verflixt verliebt. Auch Luisis eigene Produktion zeugt von viel Durchhaltevermögen: Als die Förderung dem noch unbekannten, in den USA ausgebildeten Filmemacher das Geld verweigerte, kratzte er es für die Low-Budget-Produktion selbst zusammen und machte aus der (Geld-)Not geschickt eine künstlerische Tugend: Sein Film handelt von den chaotischen Dreharbeiten eines Dilettanten.

Der argentinische Austauschstudent Miro gibt vor, ein berühmter Regisseur zu sein, um das Herz der Schauspielerin Mercedes zu erobern. Kurzerhand castet er sie als Hauptdarstellerin für einen neuen Film, ohne irgendeine Ahnung von Regie und Produktion zu haben. Seine chaotische Herangehensweise ohne Drehbuch und -plan wird von der kleinen Crew als geniale Improvisation missverstanden. Glücklicherweise werden die Dreharbeiten von zwei Filmstudenten begleitet, die mehr von Filmdramaturgie verstehen. Die beiden wollen als Abschlussfilm eine Dokumentation über die Filmarbeiten des Argentiniers drehen, und um das Ganze aufzupeppen, greifen sie gerne in die Geschichte ein. Das Chaos ist vorprogrammiert, da der Geldgeber, ein zwielichtiger Geschäftsmann, einen Actionfilm will, Miros Sinn aber nach einer Romanze steht.

Voller schräger Einfälle, jongliert Peter Luisi in Verflixt verliebt virtuos mit verschiedenen Erzählebenen, Stilmitteln und Formaten. Alles Bildmaterial findet seine Motivation in den Geschehnissen der fiktiven Filmwelt: Wenn also die teure 35-mm-Kamera verloren geht, wird halt stumm auf Super-8 weitergedreht, und auch gelegentliche Unschärfen und Wackeleinstellungen verzeiht man dem Anfänger im Film gerne, der das Dilettantische zur Norm erklärt. Ebenso lustvoll wie die Formate mixt Luisi auch die Genres: Aus der verspielten Komödie wird nämlich ein veritabler Krimi, in dem sich Hauptdarsteller Miro plötzlich mit einer Bombe und einer bewaffneten Polizeieinheit konfrontiert sieht. Die üblichen Verdächtigen der Schweizer Schauspielergilde wie Martin Rapold und Max Rüdlinger unterstützten Luisi in Nebenrollen. Als neurotisches Nervenbündel in der Hauptrolle aber agiert umwerfend Pablo Aguilar, der auch schon als musizierender Freund der dicken Friseuse in Stina Werenfels’ Meier Marilyn zu sehen war und von der Filmkritik gerne als kleiner Bruder von Roberto Benigni gefeiert wird.

Die «abgedrehte Komödie», wie sich Verflixt verliebt in der Eigenwerbung nennt, wurde für Peter Luisi zwar zu einer teuren Visitenkarte für seine weitere berufliche Laufbahn, doch der Einsatz hat sich gelohnt. Dieser atemlose Debütfilm gewann den Förderpreis des Max-Ophüls-Festivals in Saarbrücken und brachte frischen Wind in die Schweizer Kinosäle.

Veronika Grob
*1971, Studium der Literaturwissenschaften, arbeitet in der Filmredaktion des Schweizer Fernsehens. Sie ist Vorstandspräsidentin des Kinos Xenix und in der Fachkommission Spielfilm der Zürcher Filmstiftung. Mitglied der CINEMA-Redaktion von 2002–2007.
(Stand: 2011)
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