VERONIKA GROB

HOI MAYA (CLAUDIA LORENZ)

SELECTION CINEMA

Diplomfilme neigen dazu, thematisch und formal überfrachtet zu sein, schliesslich sollen sie das gesamte Können der angehenden RegisseurInnen demonstrieren und dienen nicht selten als Visitenkarte für die weitere berufliche Laufbahn. Claudia Lorenz ist mit ihrem 12-minütigen fiktionalen Kurzfilm dieser Falle entgangen: Handwerklich präzise erzählt sie in Hoi Maya eine hübsche kleine Geschichte, die in ihrer Alltäglichkeit zu überraschen vermag.

In Luigis Frisörsalon treffen sich zufällig zwei ältere Damen, die sich zunächst nicht zu kennen scheinen. Doch die Begegnung löst etwas aus, was auch den beiden Frisören im Laden nicht entgeht. Bilder aus der Vergangenheit schwappen an die Oberfläche: Die zwei Frauen hatten in ihrer Jugend eine unschuldige Romanze, bevor sich Charlotte (Heidi Diggelmann) nach Paris davonmachte, später heiratete und nun – verwitwet – in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Sie ist es, die sich schliesslich überwindet, sich zu ihrer Jugendfreundin (Monica Gubser) setzt und sie mit «Hoi Maya» begrüsst. Trotz der anfänglichen Befangenheit kommen sich die beiden schnell wieder näher. Doch Maya will von Charlotte wissen, wieso sie damals einfach verschwunden ist: «Besch emel muetig gnueg gsi, mit sebzähni allei uf Paris zgo», worauf Charlotte zugibt: «Weisch was, Maja, muetig wär gsi, do zbliibe.»

Mit wenigen Worten und umso suggestiveren Blicken wärmt Hoi Maya die nie ganz erloschene Liebesgeschichte der beiden älteren Damen auf. Mit hellem Mädchenlachen und in verwaschenen Bildern aus dem Strandbad kehren die Erinnerungen daran zurück.

Claudia Lorenz deutet in ihrem Diplomfilm allerdings mit der «verbotenen» Homosexualität jener Generation auch ein ernstes Thema an, was die heitere Grundstimmung des Films jedoch nicht zu trüben vermag. Charlottes und Mayas Neuanfang im Alter unterstreichen auch die verspielten Songs der Frauenband Les Reines Prochaines, die in Zusammenarbeit mit Hipp Mathis von den Aeronauten entstanden sind. Die charmante Romanze hat schliesslich nur eine Botschaft: Es ist nie zu spät für die Liebe.

Veronika Grob
*1971, Studium der Literaturwissenschaften, arbeitet in der Filmredaktion des Schweizer Fernsehens. Sie ist Vorstandspräsidentin des Kinos Xenix und in der Fachkommission Spielfilm der Zürcher Filmstiftung. Mitglied der CINEMA-Redaktion von 2002–2007.
(Stand: 2011)
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