PETER LIECHTI

HANS IM GLÜCK — AUSZÜGE AUS DEN MARSCHTAGEBÜCHERN

ESSAY

Mit einer DV-Kamera und einem Marsch-Tagebuch im Gepäck marschierte Peter Liechti los, um mit dem Rauchen aufzuhören. Die vorliegenden Texte sind alle während der drei Wanderungen von Zürich nach St.Gallen entstanden. Zum Teil werden diese Texte in seinem Essayfilm «Hans im Glück – 3 Versuche das Rauchen loszuwerden» als Off-Kommentar verwendet.

Die Videoprints stammen aus den umfangreichen Video-Protokollen, die Peter Liechti während des Filmschnitts als Orientierungsund Erinnerungshilfe gedient haben.

Seit 30 Jahren rauch’ ich Zigaretten – alle auf die Lunge, alle aufs Herz. Schon lange ekelt mich die Raucherei, schon hundert mal wollt’ ich aufhören damit. Auf den vollkommenen Stillstand läuft diese Entwicklung hinaus, aufs langsame Abkratzen …

Doch jetzt ist Schluss. Heute ist der letzte Tag. Der letzte Zug aus der letzten Zigarette. Das letzte Glimmen, und dann kommt der Morgen, und dann wird einfach losmarschiert, Laufen gegen das Rauchen, immer gegen Osten. In St. Gallen bin ich schliesslich aufgewachsen; und dort, wo alles angefangen hat, da wird sich auch wieder ein Ende finden.

So fühl’ ich mich denn heute wie ein Held in eigener Sache, mein eigener Freund und Retter. Man fühlt sich gut, wenn man sich was vorgenommen hat. Man hat einen Plan, und Pläne haben immer Zukunft.

Wie weit ist es denn noch bis zum Bodensee?!

Beinahe bin ich eingeschlafen, laufenderweise eingenickt. Ich ertappe mich, wie ich einfach so vor mich hinschweizere. Dieses Vor-sich-hinoder Einfach-so-daher-Schweizern ist ein gewissermassen rollender Zustand. Unterwegs das Museum der ausgestopften Filmprojekte. Dann gehts abwärts, abwärts im Opel Abwärts. Oder Opel Dibidäbi. Opel allein ist gar nix. Nicht wie Alfa oder Romeo. Oder Prypiat. Prypiat könnte auch ein Weinberg sein, oder ein Irrenhaus. Irgendein ein brisanter Zustand. Oder halt eine russische Stadt oder ein Dörfchen bei Tschernobyl …

Der Tag hat gut angefangen und dann stetig nachgelassen. Eine dicke, zähe, über den ganzen grauen Drecksee sich ausbreitende Langeweile hat mehr und mehr von mir Besitz ergriffen. Alles ist schon aufgenommen, die Bilder sind mir verleidet, und den Gestank kann man nicht filmen, den fischig-fauligen Kellergeruch, der diesen Häusern und Gassen entströmt wie schlechter Mundgeruch …

Das Einzige, was ich heute vollbracht habe, war etwas nicht zu tun. Tatsächlich hab’ ich auch heute nicht geraucht, bin bloss von Steckborn nach Kreuzlingen und von dort wieder zurückgefahren – gefahren, nicht gelaufen …

Im Zug zurück nach Steckborn hab’ ich mich in den Raucher gesetzt; die Gesichter im Raucher gefallen mir besser. Doch keiner hat geraucht in dem verdammten Zug; alle sassen sie im Nichtraucher, und ich, der einzige wahre Nichtraucher, sass mausallein im Raucher.

Seit das Rauchen kein Problem mehr ist, wird mir das Denken zum Problem. Kaum hör’ ich auf mit dem Rauchen, fang’ ich schon an mit dem Denken. Wo früher das Denken gewissermassen limitiert war, da denk’ ich heute völlig ungebremst drauflos. Das bedeutet nicht grössere Denkschärfe oder Denktiefe, vielmehr ist es eine Art gedankliches Hyperventilieren. Schon gegen Mittag hat sich mein Denken im Grunde erschöpft bei dieser Gedankenraserei – dann gehts aber den ganzen Tag noch weiter.

Einmal mehr ein kontinentales Frühstück, diesmal im See-Hotel Rosengarten in Rorschach. Während ich versuche, die verklebten Flocken etwas aufzulösen in der Milch, schaut mir ein kleiner Pekinese zu. Das Hündchen gehört wohl zum Hotel; wedelnd reckt es mir den vorstehenden Unterkiefer entgegen. Das Tierchen passte besser ins Aquarium dort neben dem Buffet. Eine rührende Kreatur mit einer Hunde-Seele – wenn auch der Blick schon etwas fischig ist. Warum sich die Menschen solche Formen heranzüchten, habe ich nie verstanden. Allerdings muss ich zugeben, dass mir dieses Hündchen doch irgendwie das Frühstück versüsst hat.

Je weiter ich vorrücke nach Osten, umso einsamer wird mir. So einsam, dass ich beginne, alle anzulächeln, die mir entgegenkommen. Furchtbar muss das aussehen, dieses Lächeln. Ich lauf’ da in eine Einsamkeit hinein, aus der wohl schwer wieder hinauszufinden ist ohne Rauch. Ein nichtrauchender Raucher ist das Einsamste überhaupt – nicht mal die eigene Stimme erkennt er wieder.

St. Gallen, Besuch bei den Eltern. Gut sind sie drauf, die beiden. Vater macht es richtig Spass, gefilmt zu werden.

Ausgesprochen munter kommen sie mir vor heute früh. Trotzdem – oder gerade deshalb – ein seltsames Gefühl, die eigenen Eltern zu «verewigen», Erinnerung auf Vorrat.

Wie sehr er doch meiner Grossmutter ähnelt, der gleich abwesende Blick, die gleiche, fast kindliche Verlorenheit …

Inzwischen rauch’ ich wieder meine 50 Zigaretten am Tag. Sämtliche Süchte haben sich in mir zusammengerottet; längst hab’ ich jeden Widerstand aufgegeben, lass mich einfach sausen – hemmungslos.

Zum Rauchen gehört auch der Fleischkäse, die Fleischkäse-Fresserei. Ich werde mir auch das verbieten müssen. Es gehört ja alles zusammen, der Fleischkäse, das Biertrinken, das Rauchen, das Sitzenbleiben und das Nichtmehrhochkommen … Ein bleischwerer Kreislauf, ein richtiger Dumpfheitsgenerator.

Ich werde wieder marschieren; so oft werde ich diesen Marsch wiederholen, bis ich ganz weg bin von der Sucht.

Obwohl ich sie nie wirklich mochte, haben die Zigaretten mich überallhin begleitet. Ein kleines Zuhause unterwegs, ein bisschen Deckung. Wie Händchenhalten …

Die letzte Zigarette werde ich alleine rauchen. So wie ich fast alles allein tun werde die nächsten drei Wochen. Davor graut mir mehr als vor allem anderen.

Die Kamera wird meine einzige Begleitung sein, und ich versuche, mich bei ihr beliebt zu machen. Man muss die Geräte lieben, mit denen man arbeitet, dann mögen sie einen auch.

Wann kommt denn endlich mein Hohrückensteak? Ich bin nicht eigentlich hungrig, doch ich kann nicht ewig weiterschreiben, um dieses stupide Warten zu ertragen. Und nun muss ich hören, dass irrtümlicherweise ein anderer Herr mein Steak bekommen hat – wahrscheinlich schon verzehrt! Wahrscheinlich der Herr dort am langen Tisch, der nun zufrieden eine Zigarette raucht, die Zigarette danach, nach meinem Steak. Von Rapperswil bis hierher, alles zu Fuss – und dann frisst ein anderer mein Steak! Es tut ihr leid, sagt die Chefin, und ich sehe genau, dass es ihr nicht leid tut.

Je näher man kommt, umso besser ist zu sehen, dass dieses Fest nur gespielt wird. Nur die Konturen sind angehoben, die Künstlichkeit ist nicht zu überbieten. So viele Alpen gibts in der ganzen Schweiz nicht, wie hier Älpler versammelt sind.

Nur der Wurstsalat ist echt und die Schäbigkeit der Darbietungen. Allen voran der Fahnenschwinger, ein obertoggenburgischer Steuerbeamter, seh’ ich sofort, so wie der die Fahne schwingt – und schon hats mich erwischt. Natürlich greift er daneben, ich hätt’ es mir ja denken können …

Da wär’ ich also, am 22. Juli des Jahrs 2000, auf der Alp Sellamatt, um ein Haar von einer Schweizerfahne erschlagen worden.

In seiner Autobiografie emfpiehlt Buñuel, sich einmal alles aufzuschreiben, was man so mag im Leben und was nicht:

Ich mag zum Beispiel die Ernsthaften, und ich hasse zu viel Leichtigkeit, weil ich sie immer als verlogen empfinde.

Ich liebe Leute mit Humor, und ich hasse die Fröhlichkeit; sie langweilt mich zu Tode. Was ich hingegen sehr schätze, ist eine gewisse Heiterkeit, vor allem bei älteren Leuten.

Ich mag die Hässlichkeit, solange sie erstens nicht protzig, zweitens nicht gemein und drittens keine Frau ist.

Ich hasse den Flirt, weil ich es schlecht kann. Und ich kann diejenigen nicht leiden, die es besser können …

Heute bin ich an meine Grenzen gekommen, beim Aufstieg auf diesen Säntis hinauf bin ich an meine äussersten körperlichen und seelischen Grenzen gestossen. Der Aufstieg war die Hölle, vor allem mit diesem Höllen-Rucksack …

Unterwegs eine einzige Begegnung, ein Senn, der mir nicht unfreundlich zu verstehen gibt, dass er eigentlich keine Besucher braucht.

Eine halbe Stunde später bin ich mitten im blanken Gestein in ein Berggewitter gekommen. Erst hat es gehagelt, dann hat es geblitzt. Nirgendwo blitzt es fürchterlicher als im Säntisgebiet. Mit dem Stativ auf dem Rücken – als wandelnder Blitzableiter gewissermassen – erschien mir die Vergänglichkeit des Lebens so greifbar, dass ich gerannt bin vor Angst.

Ich bin nicht einmal froh, endlich oben angekommen zu sein, sondern nur noch wütend, wütend auf diesen Berg, auf mich selber, auf alle, die je behauptet haben, dass es toll sei, auf einen Berg zu steigen.

Mit jedem Meter, den ich mich vom Säntis entferne, geht es mir besser. Ich bin – so scheint es – endlich über den Berg. Und ich stelle fest, dass ich wach bin, zum ersten Mal richtig wach auf diesem Marsch, und dass diese grosse alte Alp wahnsinnig schön ist. Auf der Strasse treff’ ich eine Älplerin. Wir unterhalten uns über Blitze und andere Naturgewalten, fünf Rinder hats kürzlich erwischt hier oben …

Der Kopf ist meist ganz woanders als die Füsse. Ich hab’ mich gehen lassen – ganz wörtlich, ich lauf mir voraus und hinterher, verlier mich zwischendurch auch ganz aus den Augen, spiel mal den Wanderer, mal den Einheimischen, mal den Touristen … Eine verdammte verlogene Scheisswanderung wird das bleiben, wenn ich mich nicht bald einmal entschliessen kann. Beim Filmen setz’ ich auf Zufall statt auf Intuition, und beim Denken ists genauso. Ich habe die Richtung verloren; mitten in dieser mir bestens bekannten Umgebung hab’ ich vollkommen die Orientierung verloren.

Appenzell. Einst hatte ich alle Energie darauf verwendet, um aus dieser Gegend wegzukommen, und seither tu ich nichts anderes, als dauernd hierher zurückzukehren. Noch immer gelingt es mir, in diesen Hügeln umherzuspazieren und mich zu fühlen wie einer, der das alles zum ersten Mal sieht. Andererseits beanspruch’ ich doch insgeheim, auch ein wenig dazuzugehören. Wenn mir aber einer sagt, du bist doch einer von uns, so krieg’ ich schon die Panik.

Bin zu lange beim Frühstück gesessen heute früh. Das lange Sitzen hat mir nicht gut getan, mein ganzer Apparat ist mittlerweile auf Laufen eingestellt. Laufen ist mir lieber geworden als Schreiben oder Filmen. Die Gedanken bewegen sich weich und fliessend im Laufen, und wenn ich mich dann hinsetz’ und was aufschreiben möchte, kommt das ganze Denken ins Stocken, wird krampfig und schwer. Was eben noch verspielt neben mir her und um mich herum als frei schwebender Gedanke meinen Weg begleitet hat, zieht sich schmollend zurück und verstummt, sobald ich stehen bleibe.

Vielleicht ists Zeit geworden, Schluss zu machen mit dieser Lauferei und das Sitzen wieder zu üben.

Ich bin nicht in Stimmung für heftige Ausschläge. Immer wenns dramatisch wird, stell’ ich die Kamera ab. Dramatische Szenen sind nichts für einen, der eben aufgehört hat zu rauchen. Vielmehr interessiert mich die Leere, die Langeweile. Wo nichts mehr stattfindet, fällt mir vielleicht selber wieder was ein.

St. Gallen. Vom Hotel Metropol der Blick auf Busterminal und Hauptbahnhof – Platz des Nationalfeiertags. Am 1. August des Jahres 2000 herrscht eine erstaunliche Nüchternheit in dieser Stadt; jeder Cup-Final hat bessere Einschaltquoten. Aber ich habs ja gesehen unterwegs, in all den hundert Gärtchen und Vorplätzchen: Überall wird gegrillt, und Kerzchen werden angzündet – der 1. August wird heuer wie Weihnachten gefeiert, im trauten Familienkreis und jeder für sich mit seinem Nationalgefühl. Bratwürste und Feuerwerk sind seit Tagen Aktion, und die Skinheads auf dem Rütli ermuntern zusätzlich dazu, diesen Abend ganz privat zu geniessen.

Draussen ist es Abend geworden – und weiter nichts.

Ich brauche Zeit, viel mehr Zeit als auf dem ersten Marsch, um wieder herauszufinden aus der ganzen Verwahrlosung, in die hinab ich mich hatte sinken lassen. Langsames Auftauchen ist angesagt, wie beim Sporttauchen. Stufenweise Anpassung an die sich wandelnden Druck-Verhältnisse draussen in der Wirklichkeit.

Inzwischen ist mir die Methode selbst zur Falle geworden, und ich hab’ mir in einem schwachen Moment gesagt: Was solls, ich mach’ sowieso einen weiteren Marsch. Schwache Momente gehören nun mal zum Leben; es gibt ja nichts Schöneres, als einer Schwäche nachzugeben.

Nach wie vor schlaf’ ich schlecht und steh’ schlecht auf am Morgen. Zudem werden die Träume immer schlechter, geradezu hinterhältig in letzter Zeit.

Heut’ Nacht war Marokko das Thema, ausgerechnet Marokko, das mich noch nie im Entferntesten interessierte. Plötzlich steht dieses Wort im Raum, eine Art Leuchtschrift, und alle wollen da hin. Meine Freundin verlässt mich mit einem Marokkaner – ich muss schon verstehen –, und dann besucht mich ein Freund aus Deutschland, der will aber auch nicht bleiben, nein, der logiert bei einem Marokkaner. Da gibts diese marokkanischen Häppchen, sagt er entschuldigend, diese unvergleichlichen Häppchen und Sösselchen dazu, sie sind halt echte Künstler …

Schlecht gelaunt wach’ ich auf, von allen verlassen und verraten. Der Mund ist trocken, es zerrt in den Venen – und plötzlich fällts mir wie Schuppen von den Augen: Rache! Die Rache meiner Zigarette … Marocaine!!… Marocaine Extra!

Ein einziges Mal bin ich böse geworden, gleich nach Andelfingen, unter der Eisenbahnbrücke. Eine volle Stunde hab’ ich da gewartet und gefroren, bis endlich dieser Scheiss-Zug gekommen ist, bis ich endlich die unspektakulärste aller Eisenbahn-Aufnahmen im Kasten hatte. Ich hatte einfach den Moment verpasst; nach 10 Minuten wär’ es höchste Zeit gewesen, die Übung abzubrechen. Doch da war ich schon dermassen durchfroren, dass sich ein Hass und ein Trotz in mir festgesetzt hatten, die es niemals zugelassen hätten, von hier abzuziehen, ehe ich diesen Dreckszug abgeschossen hatte. Man kann sich vorstellen, wies nach einer halben Stunde in mir ausgesehen hat, und nach einer Dreiviertelstunde – die ganzen inneren Verwüstungen, die dieser nicht kommen wollende Zug in mir verursacht hat …

Schwer bin ich geworden, so schwer wie früher mit dem Rucksack zusammen; ein Schwergewichts-Wanderer, der tiefe Schneisen zieht ins aufgeweichte Land. Keiner wird ihn bremsen, wenn er erst in Fahrt ist mit seinem ganzen Gewicht, und nichts wird mich mehr dazu bringen, diesen Schub zu unterbrechen.

Was hat sich denn verändert in all den Jahren? Ich weiss es nicht … Das ist die Veränderung. Wenn ich früher immer was zu sagen wusste, so sag’ ich heut’: Ich weiss es nicht. Wenn mich einer fragt: Was machst du denn so? – Ich weiss es nicht. Und wie gehts weiter? – Ich weiss es nicht. Manchmal weiss ich nicht einmal, ob mir ein Film gefallen hat, oder ein Buch, oder ein Mensch …

Richtung St. Gallen ist es deutlich kälter geworden. Immer war das so, dass es Richtung St. Gallen kälter geworden ist – egal, woher man kommt. Auch sonst hat sich nichts geändert in meinem Verhältnis zu dieser Stadt. Es reicht, ich hab’ genug davon, hierher zurückzulaufen. Wie lange freu’ ich mich schon darauf, wieder hinauszukommen aus diesem Dunst!

Den Rändern entlang hat diese Stadt ja einen unvergleichlichen Charme; nirgendwo gibts schönere Anlagen als hier. Noch ists Winter, doch die ganze Stadt ist förmlich überbelichtet von frühlingshaftem Glanz und Glimmer, und die Menschen und die Hunde ziehts hinauf auf die Höhenwege. Alle geniessen sie die Sonne, und ich schau’ ihnen zu dabei. Ich, der Mann mit der Kamera. Der Einzige, der diesen Zauber stört …

Wann wird er wohl vom ersten Hund gebissen, der komische Gaffer? Nur noch Attrappe, verfolg’ ich weiter meinen Auftrag, obwohl der längst erledigt ist. Ein Getue nur noch, leeres Geläuf in die Tage hinaus … Alles ging viel schneller als erwartet; nun ist da plötzlich viel zu viel Zeit, und es fällt mir überhaupt nichts mehr ein. Ich hab’ gelernt, unter Druck zu schaffen; der Druck hat aber nachgelassen, die Luft ist draussen – und auch die Lungen sind längst auf dem Weg der Besserung.

Der Frühling ist da, ich fahr zurück nach Zürich – mit dem Rauchen ist Schluss!

Die leeren Aschenbecher beginnen mich zu langweilen, genauso wie die vollen; ich möchte nur noch heim … Das Rauchen ist im Grunde nix, worüber man viel nachzudenken hätte. Es gibt sie nun mal, die verführerischen Zigaretten, und es wird sie noch lange geben. Die überall aufsteigenden Räuchlein und der vertraute Geruch sind genauso Stimmungsträger meiner Welt wie im Frühling der Gesang der Vögelchen – ohne dass ich mitzupfeifen hätte.

Peter Liechti
*1951 in St. Gallen. Diplom in Kunst-Didaktik, Kunstgeschichte, Malerei und Druckgrafik. Seit 1984 freischaffend als Autor, Regisseur, Produzent und Kameramann. Seminare, Workshops und Mentorate in München, Ham­burg, Kapstadt, Peking, Zürich, Lausanne, Genf.
(Stand: 2010)
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