LAURA DANIEL

ACHTUNG, FERTIG, CHARLIE! (MIKE ESCHMANN)

SELECTION CINEMA

Achtung, fertig, Charlie! ist der erste schweizerische Versuch einer Teenager-Rezept-Komödie, die den Spagat zwischen helvetischer Eigentümlichkeit und amerikanischen Vorbildern dieser Art – wie etwa American Pie – probt.

Antonio Carrera wird just an jenem Tag, der gemeinhin als der schönste Tag im Leben eines Liebenden bezeichnet wird – seinem Hochzeitstag –, quasi vom Traualtar weg zwangsrekrutiert: Antonio hat es dummerweise versäumt, seinem Marschbefehl Folge zu leisten. Nun wird er vor versammelter Hochzeitsgesellschaft seiner Braut Laura entrissen und landet auf dem Kasernenareal, wo ihn eine bunt gemischte Füsilierkompanie und der leicht sadistische Korporal Weiss erwarten. Da weder Diskussionen noch Verweigerung und Ungehorsam dazu führen, dass Carrera zurück zu seiner Braut gelassen wird, greift er zu Plan B. Plan B, wie Bluntschi, beruht auf der Erkenntnis, dass erstens Rekrutin Michelle Bluntschi die uneheliche Tochter des Hauptmanns Reiker ist und zweitens Sex in der Kaserne strengstens verboten ist, woraus Carrera mit Hilfe von Rekrut Weber zu folgern vermag, dass in der Kombination beider Elemente des Problems Lösung liegt. Carrera braucht also bloss Bluntschi zu verführen, um aus der RS zu fliegen. So irrwitzig der Plan, so vorhersehbar seine Folgen: Bluntschi und Carrera werden nicht nur zu Sexualpartnern, sondern zu einem Liebespaar. Der Umstand, dass Vater Moretti sein Textilfabrik-Imperium mit Hilfe der Mafia aufgebaut hat, verleiht dem Liebeskummer der verlassenen Laura eine zusätzliche Brisanz: Sie scheut keine Mittel, um sich an Antonio zu rächen.

Bevor Achtung, fertig, Charlie! in den Schweizer Kinos anlaufen konnte, wurden bereits hitzige Debatten über Sinn und Unsinn dieses Projekts geführt. Das i-Tüpfelchen dieses Diskurses war dann die offizielle Distanzierung des VBS, des Bundesamtes für Verteidigung und Sport, vom Film. Aufgrund einiger expliziter Szenen sowie der allgemeinen Verulkung des Schweizer Militärs wollte das VBS die dem Film einst bewilligte Unterstützung entsagen. Für diejenigen, die sich den Film ansehen, mutet es ziemlich seltsam an, dass er Anstoss derartigen Ärgernisses werden konnte. Achtung, fertig, Charlie! macht sich zwar lustig übers Militär, ist in seiner Botschaft aber überaus militärfreundlich. Am Schluss des Films siegt nicht nur die Liebe, sondern es triumphieren die Füsiliere über die Grenadiere, Teamgeist über Individualität und Kiffertum. Das Ende ist mit so vielen Paaren gespickt, dass man sich glatt ins Molière’sche Theater zurückversetzt wähnt, sogar geheiratet wird dann doch noch.

Nach Exklusiv stellt die Luzerner Produktionsfirma Zodiac Pictures mit Achtung, fertig, Charlie! ein weiteres handwerklich solides, publikumsorientiertes Projekt auf die Beine, dem es weder an einem vermarktbaren Soundtrack noch an prominenten HauptdarstellerInnen fehlt. Filme wie Achtung, fertig, Charlie! sind durchaus einige Experimente wert, schade nur, dass die Hauptrolle mit einem derartig begrenzten Schauspieltalent besetzt wurde. Vielleicht hätten auch die Herren vom VBS mehr gelacht, wenn Michael Koch es fertig gebracht hätte, während des ganzen Films mehr als drei verschiedene Gesichtsausdrücke zu Gute zu geben. Ebenfalls eher seltsam ist die Performance von Mike Müller, dem man den Mafioso genauso wenig abnimmt wie Aegerter und Koch die Seconda resp. den Secondo. Eine eher angenehme Überraschung hingegen bietet die ehemalige Miss Schweiz Melanie Winiger.

Laura Daniel
geb. 1978, Studium an der Universität Zürich und der NYU, war Mitglied der CINEMA-Redaktion und des Organisationsteams der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur. Lebt und arbeitet in Zürich.
(Stand: 2009)
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