DORIS SENN

DEAD BY MONDAY (CURT TRUNINGER)

SELECTION CINEMA

Wir kennen das Schnittmuster hollywoodscher Boy-Meets-Girl-Konfektionen zur Genüge: Zwei, die wir auf den ersten Blick als füreinan­der bestimmt ausmachen, kommen sich durch eine Häufung abstruser Zufälle ständig in die Quere, was eine Reihe von kratzbürstigen Aus­einandersetzungen zur Folge hat und nach unzähligen retardierenden Momenten ins un­ausweichliche Happy End mündet. Eine solche Geschichte ist auch Dead by Monday, der zweite Spielfilm nach Waiting for Michelangelo (1996) des in Zürich und Toronto lebenden Curt Truninger. In einer Mischung aus Liebes­romanze und schwarzer Komödie erzählt er von Julie und Alex: sie, in Trauer über ihren beim Bergsteigen verunglückten Kirin - er, ein Schriftsteller im Schreibstau, den seine Freun­din jäh verlassen hat. Beide verbindet der Ent­schluss, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Als die individuellen Verzweiflungstaten kläg­lich fehlschlagen, verbünden sie sich zum ge­meinsamen Ertrinkungstod in den Niagara­fällen. Auf der Reise dorthin - wie könnte es anders sein - kommen die zwei sich näher, und nach einem längst nicht mehr geplanten Sturz ins kalte Wasser schwimmen endlich auch die wahren Gefühle obenauf.

Der Regisseur kopiert aufs Getreueste nicht nur die Plotstrukturen, sondern auch Ambiente und Stereotypen der erfolgreichen US-Vorbilder: Nichts verrät die europäische Herkunft des Filmemachers und seines Werks - mit Ausnahme vielleicht des englischen Ak­zents der beiden britischen Hauptdarsteller Helen Baxendale und Tim Dutton sowie des Kurzauftritts des Filmemachers himself als Schweizer Tourist. Doch dies allein genügt nicht, wie man mit fortschreitendem Film zu­nehmend distanziert feststellt: Story und Dia­loge von Dead by Monday erinnern nur mehr von fern an die Originalität und entwaffnende Rhetorik, wie wir sie aus gewitzten Meister­komödien von Pillow Talk bis When Harry Met Sally kennen. Gelungene Gags sind selten - etwa wenn Julie die Urne mit Kirin selig vor der TV-Sportsendung ins weiche Kissen dra­piert -, und die Pointen der Rededuelle funk­tionieren nur im Ausnahmefall. Zudem lässt auch der Einblick in die Psyche der Figuren eher zu wünschen übrig: Die (nicht mehr ganz jungen) Charaktere agieren und argumentieren des Öfteren eher wie pubertierende Teenager denn wie lebenserfahrene Erwachsene. Ausser­dem lassen die paar dick aufgetragenen Ne­benszenen - etwa das mutmassliche Schoss­hündchen, das sich als ausgewachsener Tiger entpuppt, oder Julies Probeliegen beim Leichenbestatter - die Story wiederholt in gro­tesken Klamauk abdriften. Ohne eine eigene Handschrift zu entwickeln, dümpelt der Film seinem rasch voraussehbaren, keinen Plot Point auslassenden und auch seitens der Zu­schauerinnen mühsam verdienten glücklichen Ende entgegen.

Doris Senn
geb. 1957, Filmjournalistin, seit 1993 Mitglied der CINEMA-Redaktion, lebt in Zürich.
(Stand: 2018)
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