VALÉRIE PÉRILLARD

PROPELLERBLUME (GITTA GSELL)

SELECTION CINEMA

Der Film mit dem wunderschönen, poetischen Titel Propellerblume erzählt eine Emanzipa­tionsgeschichte: Die in eine Männerbezie­hungskrise verstrickte Claudia findet schließlich doch noch zu sich selbst und erhält das Stipendium für eine Opernsängerinnenausbil­dung in Rom. Doch bis dahin ist ein weiter Weg: Zuerst verläßt Claudia ihren bürgerlich leben­den Freund und dessen Tochter, um bei einem Pseudospontikünstler einzuziehen, worauf sie eine Zeitlang ihr Üben vernachlässigt. Mit dem Freund wechselt sie auch die Umgebung: Von einer bürgerlichen Welt taucht sie – zunächst fasziniert vom Künstler, doch manchmal auch etwas widerspenstig – in ein ihr bisher unbe­kanntes Künstlermilieu ein. Nach anfänglicher Verunsicherung schafft sie es schließlich, sich darin zu behaupten – etwa als sie in einer Rockband zu singen beginnt und sich damit vom normierten Operngesang löst. Später merkt sie, daß auch der Künstler nicht der Richtige ist und verläßt ihn ebenfalls. Mitten in der Krise muß sie an den Stipendiatswettbewerb, und auch hier steht sie ganz zu sich, als sie erfolgreich etwas anderes als den eingeübten Part vorträgt.

Mit ihrem ersten Spielfilm liefert die Zür­cherin Gitta Gsell eine leichtfüßige Komödie, die manchmal durchaus zum Schmunzeln ver­leitet. Leider vermag sie nicht gänzlich zu über­zeugen: Claudias Konflikt zwischen den bei­den Männern, von denen einer langweiliger und unattraktiver ist als der andere – der ver­meintlich ausgeflippte Künstler erweist sich als genauso bieder wie sein Vorgänger – ist schwer nachvollziehbar.

Die aalglatte Geschichte, die man sich um einiges kantiger wünschte, läßt kaum Raum für wirkliche Konflikte, die einen mitreißen wür­den: Die Tochter beispielsweise, die Claudia zurückläßt, als sie sich von ihrem Freund trennt, ist nicht ihre eigene – was dem Konflikt die nötige Tiefe und Nachvollziehbarkeit nimmt. Als sie beim neuen Freund einzieht, vernachlässigt die angehende Opernsängerin zwar eine Zeitlang ihren Gesang, doch nie in einem wirklich bedrohlichen Ausmaß. Und wenn es doch zu Konfrontationen kommt, en­den diese selten in einer Explosion. So wirkt die eigentlich zügig und gut erzählte Geschichte etwas flau, woran auch Vasiliki Roussis über­zeugende schauspielerische Leistung, die gut ausgewählten Drehorte und die geschickte In­szenierung nichts zu ändern vermögen.

Valérie Périllard
ist Volkskundlerin und arbeitet zurzeit als Übersetzerin in Zürich.
(Stand: 2018)
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